15. Apr, 2019

Auf(er)stehen - "Mensch, Warum siehst du mein Leid NICHT??"

hier sitze ich mit dem Restschmerz des Wochenendes. Ich hatte mal wieder eine Trigeminus-Neuralgie die sich erst über das Gesicht zog und dann die nächsten drei Tage weiter wanderte in die Ohren und in den Kopf. Ich wusste nicht mehr wohin mit diesem brutalsten Schmerz, den ein Mensch haben kann. Nervenschmerzen. Meine Bauchschmerzen bei Entzündungen sind brutal, doch diese Schmerzen, die so richtig am Freitag begannen, brachten mich zum Wimmern und letztendlich dazu, zu einem starken Schmerzmittel zu greifen. Nichtwissend, was mit mir passieren wird. Ich wollte nicht schon wieder ins Krankenhaus. Trotz diesem tiefen Leid, war ich eng im Kontakt mit Jesus und mit Menschen, die selbst einiges tragen oder gerade in eine depressive Phase zu rutschen drohen. Ich versuchte da zu sein, wie ich es konnte. Gelang mehr oder weniger. Ich selbst hätte eine Hand gebraucht, die mir Trost schenkt und da ist, real. Aber das geht eben nicht immer. In unsrer heutigen Zeit, ist das sogar ein Luxusgeschenk, dieses bedinnungslos zu haben. Selbst unter Paaren ist das "Dasein" gar nicht mehr so selbstverständlich. Man fühlt sich oft zu zweit sehr alleine gelassen. Traurige Entwicklung.

Oft höre ich von den Menschen, auch ich war da die letzten Jahre gut darin, mich zu beschweren, dass es mir sehr schlecht geht und KEINER für mich da ist. Alle nur zuschauen, wie es bei mir immer weiter bergab geht. Aber jetzt mal eine Frage, wer hat die Verantwortung für uns? Wer, wenn wir erwachsen sind und eine Stimme haben zum Reden? Die andere Frage, in wie weit lassen wir überhaupt jemanden an uns ran, sind bereit uns zu öffnen? Ist es nicht so, dass wir uns beleidigt zurück ziehen und warten, dass das Wunder passiert, dass irgendjemand menschliches kommt und unsre Wunden in der Seele verarztet und es weg macht.

Doch leider ist es so, es ist keine Fantasie, ich weiß genau wovon ich rede und höre mir auch oft die Anklage an oder habe die Anklage in Vergangenheit selbst ausgesprochen, gegenüber anderen Menschen.

Nein, ich sage damit NICHT, dass man die Last der Anderen nicht von sich aus sehen könnte oder die Hand reichen. Aber es gehören BEIDE Seiten dazu. Der Eine, der sich öffnet und nach Hilfe fragt und der Andere, der sich öffnet und bereit ist, eine Hand zu reichen. Nur so kann es funktionieren. Niemand kann Gedanken lesen, wenn es uns gerade sehr schlecht geht. Bei mir funktioniert es mit zwei bis drei Menschen, die ich begleite und merke - ohne bei ihnen zu sein, wie es ihnen gerade geht. Doch ich stehe manchmal sehr verzweifelt dabei und kann nicht helfen. Weil diese verdammten Masken bei ihnen so gut funktionieren. Der Arsch geht auf Grundeis, aber immer wieder wird dann bagatellisiert, bis das Kind in den Brunnen fällt. Dann hagelt es Vorwürfe, das keiner da ist. Oft ist es aber so, dass die Krise so tief ist, das man gar nicht mehr richtig helfen kann. Sogar nur "das da sein" für den Anderen wird für Beide zur Last. Warum warten wir immer so lange und schreien nicht früher nach Hilfe. Eigentlich ganz schön doof, oder?

Lieber wird ausgehalten bis zum Anschlag, bis fast nix mehr geht.

Ich könnte mir in den Situationen selbst in den Allerwertesten beißen, weil ich auch in Krisen oder wie am Wochenende in richtige Not geraten kann. Ich habe Menschen, die ich anrufen könnte. Ich habe jemanden für Spike, wenn ich ins Krankenhaus muss und es gibt den Krisendienst, der sich auch um uns kümmert, wenn gar nix mehr geht. Ich gebe jedem hier gerne die Nummer, falls ihr sie nicht habt. Doch ich habe mich am Wochenende wieder durch gekämpft. Gut, ich hasse Krankenhäuser mittlerweile und ständig Infusionen etc. bekommen zu müssen. Ich hasse es mittlerweile ständig Spike weg zu geben und meine Freunde damit zu nerven, dass sie sich kümmern müssen.

Merkt ihr was, die Freunde werden jetzt sagen: "Aber es ist doch okay.." Wirklich? Ich hasse es auch immer eine Last zu sein. Also schweige ich Menschen gegenüber mehr, als das ich mein Leid klage. Heule wie am Wochenende vor Schmerzen und warte darauf, dass ich von diesem Schmerz irgendwie erlöst werde. Schlau??? Keine Ahnung.

Geistlich gesehen, bin ich auch da wieder Jesus näher gekommen. Ich habe meinen Vater im Himmel angeschrieen, als ich nicht mehr wusste wohin, wenn dieser brutale Schmerz in meinen Kopf geschossen ist. Ich war wütend auf ihn und fragte immer mal wieder, warum ich so leiden muss.

Nun, die Antwort zeigte er mir teils - teils. Nicht warum ich so leiden muss, aber immer wieder gab er mir das, was er Paulus gab, der sehr unter etwas gelitten hat und Gott es nicht weg nahm: "Lass dir an meiner Gnade genügen".

Das kann nur ein Christ leben und selbst damit an die Grenze kommen, denn wenn man vor Schmerzen weint, sich der Gnade genügen lassen...okay.

Doch heute geht es mir wieder besser und ich merke, wie ER mich durchgetragen hat und wie nah er mir war. Jesus zeigte mir die Szene in Getsemane, dem Garten, wo ER zu unsrem Vater gefleht hat, diesen schlimmen sehr schmerzvollen Kelch der Kreuzigung an ihm vorüber gehen zu lassen.

Könnt ihr euch mal in die Lage versetzen: Ihr wisst, ihr werdet schlimmes erleben, ihr werdet Höllenqualen körperlich und psychisch erleiden müssen. Jesus war da ganz Mensch und hatte wahnsinnige Panik und Angst vor diesem Leid, was ihn erwartete. Wer da denkt, Jesus ist da einfach mal so durch, der hat nix kapiert.

Es war ein Jünger, der mit ihm Unterwegs war, der ihn verraten hat! Jemand der sich Freund genannt hat! Es waren Freunde (einer wollte sogar mit Jesus in den Tod gehen, weil er ihn so liebte), die schliefen ein, obwohl Jesus vor Angst nicht wusste wohin mit sich. Jesus flehte zum Vater, er erwartete die Hilfe und Unterstützung, das gehalten werden von seinen Freunden, die nur wenige Meter von ihm weg waren. Sie haben geschlafen, wo er kämpfte. Angst hatte, die nicht begreifbar ist, eine Panikattacke so schlimm, dass ER Blut schwitzte aus Angst. Hast du das schon erlebt? Es gibt Menschen mit Trauma oder in schlimmen Situationen, wo das passiert. Es ist NICHTS göttliches. Es ist eine Reaktion auf richtig schlimme Angst und Panik. Seine Freunde schliefen seelenruhig. Merkt ihr was??? Wer kam dann und hat Jesus getröstet? Ein Engel. Ich kenne das auch, Alle sind weg, ich ganz alleine im schweren Kampf und nur die geistliche Welt, Jesus oder Helfer, die da sind. Das darf jeder erleben und kann es. Denn MENSCHEN WERDEN IMMER VERSAGEN, nicht weil sie böse sind. Nein, weil wir sie nicht an unsrem Leid teil haben lassen oder eben weil Menschen überfordert mit der Situation sind und oft ist es heute so, dass auch DEIN Freund gerade mit etwas kämpft und sich genauso alleine fühlt.

Wir begreifen eben sehr schwer, dass wir gemeinsam die Last tragen könnten.

Schlimm ist es, wenn man sich nur noch um Arbeit, funktionieren müssen und Dinge dreht, um die sich auch die Welt dreht. Vergisst, dass das gar nicht unsre Aufgabe ist, auf dieser Welt zu funktionieren. Jeder Christ sollte sich da mal prüfen. In wie weit plötzlich Arbeit, Prüfungen und anderes wichtiger wird, als das Reich Gottes mit zu bauen?! 

Da wirds jetzt schräg. Weil wenn ich mit Jesus unterwegs bin, vertraue ich, dass ich an dem Platz bin wo Gott mich hinstellt. ER für alles sorgt, was ich brauche - um da zu sein!

Doch einige ob mit Gott unterwegs oder nicht, vertrauen Jesus gar nicht mehr das Steuer ihres Lebens an, sondern leben ihr Leben weltlich und Jesus, naja ist halt irgendwie dabei. Ich weiß genau, dass jeder Christ das so gar nicht will. Aber es ist jemand in dieser Welt, der genau dafür sorgt, uns beschäftigt zu halten und knallt uns die Regeln dieser Welt um die Ohren, dass man gar nicht mehr, mehr Zeit mit der geistlichen Welt verbringt, sondern die Dinge - der Druck der Welt zu funktionieren, plötzlich den Raum einnimmt und man vielleicht in der Woche so paar wenige Stunden mit Jesus verbringt. Klare Schräglage und wir kommen eine Weile damit durch, aber nicht für immer.

Vielleicht sind dann gerade Krisen das, die uns dann wieder besinnen lassen, wer und was wichtiger ist in unsrem Leben. Das Studium und die Karrieren oder Gott by him self. Warum müssen wir mehr darstellen nach außen als Christ, als Jesus? Schaut euch mal sein Leben an, wie einfach, aber geführt es war. Nur mal so ein Rat.

Wie kann man es besser machen? Nun, ich denke - mal mehr von sich und dem was andere Menschen denken könnten, wenn ich nicht funktioniere, weg gehen. Mal mich nicht zum Mittelpunkt der Welt zu machen oder das was ich erreichen möchte. (Daran arbeite ich mit Jesus jetzt schon ein paar Wochen und es tut mir richtig gut). Was ist unser Ziel als Christ? Das wir unbedingt das Ziel erreichen müssen, was wir uns in den Kopf gesetzt haben? Das wir viel Geld haben und Erfolg? Um was geht es bei dir? Was macht dir die meißten Sorgen auf dieser Welt?? Das du die Ewigkeit erreicht oder das du beliebt und erfolgreich bist? Das Jeder sich um dich kümmern muss, auch wenn du unehrlich bist und gar nicht zeigen willst, wie es dir geht?

Ja, ich weiß das sind Worte die wir nicht hören wollen. Aber wie wollen wir denn autonom und erwachsen in dieser Welt werden? In dem wir immer wie die trotzigen Kinder rum maulen, dass Keiner da ist. Unsre Masken aber nicht ablegen wollen und immer so tun wollen, dass wir es doch Alleine schaffen und Alles doch gar nicht so schlimm ist? Schaut euch doch mal in der Welt um. Was seht ihr? Leid, Depression, Krankheiten etc. nehmen immer mehr zu. Weil, eben die Welt so ist wie sie ist.

Es ist ein Nehmen und Geben! Daher macht eure Münder auf. Warum mache ich das Alles hier, weil es mir mittlerweile (nicht im Kontakt mit Menschen, aber das lerne ich gerade und es wird immer besser) egal ist, was jemand denken könnte. Meist sind es die größten Maskenträger, die es nicht aushalten, wenn jemand um Hilfe schreit oder verzweifelt ist. Weil sie oft ihren Spiegel sehen, doch nicht die Maske des funktionierens ablegen kann. Weil doch die Meißten hier auf der Welt ihre Show abziehen müssen.

Mich regen die Leute auf, die immer Sonnenschein und gute Laune probagieren. Haben die Leute kein Leben hier auf der Erde??? Naja nur so ein Gedanke. Ich erlebe die Welt nicht als Ponnyhof! Gerade tourt so eine Promi-Nonne mit dem Appell durch die Gegend. Es gibt aber leider doch Beides und man kann nicht immer im Blizz (high) durch die Gegend rennen. Solche Leute machen nur Druck. Schön, wenn es ihr so gut geht. Möge sie Gott weiter damit segnen. Ich hoffe es ist die Wahrheit, das sie so drauf ist....ständig.

Gut, mein Rat für HEUTE an DICH, du die/der das liest und mit einigem zu kämpfen hat. Seelisch wie körperlich: Bitte hole dir Hilfen. Macht euren Mund gegenüber Freunden auf. Traut euch (da packe ich mich jetzt an die eigene Nase) andere zu belasten! Denn wenn es Freunde sind, dürfen die zwar mal genervt sein, dass du schon wieder schreist, aber sie werden da sein. Wenn es nur ist, da zu sitzen oder einfach mal die Hand zu nehmen.

Werden wir einfach mal wieder etwas menschlicher. Sehen wir Not und lassen es auch mal zu Not zu haben und jemanden mal auf die Nerven zu gehen.

Jesus hat seinen Jüngern das Pennen in größter Not und Angst auch vergeben, da bin ich sicher! Jesus hat um Hilfe und dasein gebeten...haben sie funktioniert??? Was hat Jesus dann gemacht? Er betete...er hatte dann trotzdem Hilfen. Vielleicht lest ihr die Stelle mal und meditiert für euch darüber.

Blessings