2. Dez, 2018

Ein Zeugnis sein - auch im Leid

Ich wollte euch doch noch von meiner letzten Woche im Krankenhaus erzählen. Dies ging etwas unter, weil ja nebenher auch so viel los war.

Es geschah ja wieder wie aus dem "Nichts", dass ich diese heftigen Schmerzen bekam. Ich weiß aber, dass dies ein Ausdruck für den Schmerz der letzten Monate in mir war, die Trauer und Wut. Ich kenne das schon so gut. Immer wieder heftige Krankheiten, weil ich Dinge nicht verarbeiten kann. Sie mich immer wieder einholen.

Wisst ihr, es gibt verschiedene Arten der Trauer. Wenn jemand stirbt, dann ist das sehr schlimm. Aber der Mensch ist weg, man kann in der Erinnerung leben und sich immer wieder die guten Zeiten her holen. Das gelingt weniger gut, wenn man weiß, der Mensch ist noch da. (Ich hoffe das ist nicht zu makaber, aber ich bin überzeugt, dass ist genau so) Man könnte den Menschen noch erreichen und sich mit ihm aussprechen. Könnte! Doch die Realität bei uns Menschen sieht meistens anders aus. Man verkriecht sich oder haut um sich, oft bekommen es dann andere Menschen ab, die gar nichts dafür können. Ich bin dann auf Verhinderungsmodus und aufgeben. Oft ist die schlechte Erinnerung mit dem Menschen stärker als das was uns verbunden hat. Ich möchte immer, dass der Schmerz durch ignorieren verblasst. Das war damals so, als ich 2009 die Re-traumatisierung und damalige kurze Trennung vom Seelsorger erlebte. Der Boden war sowas von weg und ich reagierte wie diesmal, mit einer heftigen Darmvereiterung, genau die gleiche Stelle, naja abgesehen...das schon 30 cm Darm fehlen und der Darm etwas anders liegt. Ich habe einfach noch kein anderes Ventil meinem Schmerz Raum zu geben. Ob ich das jemals erleben darf?

Ein Dillema, warum?

Weil ich z.B. seitdem ich die tolle Erfahrung mit Singen und Lesen in der für mich neuen Gemeinde gemacht habe, nicht mehr dort war. Wieder dieses Hin-Nichthin-gehen. Nicht weil die Menschen böse sind, sondern ich merke, was ich doch für eine Phobie manchmal noch habe oder wie ich vor lauter Chaos in und bei mir gar nicht mehr Menschen aushalten kann. Das liegt wirklich an mir. Denke das war mit eine Baustelle in der alten Gemeinde, dieses verunsichern der Anderen, durch meine Reaktionen die ich aber nicht steuern kann. Die ein Teil meiner PTBS ist. Auch nur begrenzt Kraft haben und ich fühle mich auch sehr schlapp gerade. Der Körper will jetzt ganz ausheilen.

Aber jetzt mal zu dem was ich eigentlich erzählen wollte: Bauchaua und Krankenhaus. Viele die mein Buch kennen, die mich kennen und den Blog besser, die wissen...immer wenn ich im Krankenhaus bin, darf ich  Zeugnis sein.

Ich hatte vom Sonntag auf Montag Nacht heftigste Bauchschmerzen, ähnlich wie in Irland damals, nur das noch ein sehr schneidender Schmerz dazu kam und mein Bauch sich immer mehr anspannte und verspannte. Natürlich wollte ich, wie ich es so oft von mir kenne, das ganze mit Schmerzmittel und ignorieren, weg bekommen. Ich nahm sogar Novalgin, was ich eigentlich nur bei schlimmsten Schmerzen nehme. Davon ging es auch nicht weg, in mir kam immer wieder eine ermahnende Stimme, dass ich einen Notfalltermin machen soll. Das kenne ich auch schon von Kindheit an, dass in mir eine Stimme sagt, was ich habe und wie ich reagieren muss. Bei meiner Ärztin ist es gar nicht so leicht einen Notfalltermin zu machen. Ich rief in der Praxis an und ich bekam erstaunlicherweise einen Termin direkt in der nächsten Stunde. Die Ärztin sah mich an und machte gleich einen Ultraschall. Auch diese Untersuchung war vor Schmerz, trotz Novalgin kaum möglich. Man konnte eine Entzündung erkennen, doch ihr war das alles zu heiß und wieß mich sofort ins Krankenhaus ein. Normalerweise drehe ich da schon halb durch, aber ich war sehr ruhig. Das zog sich im Krankenhaus auch fort. Dort versuchte man mir dreimal erfolglos eine Nadel zu legen für das Schmerzmittel. Ich habe jetzt noch große blaue Flecken davon. Dann kam ein Arzt, der schaffte es dann. Ich immer noch ganz ruhig, was ich normalerweise so nicht kenne. Dann ging es zum Ultraschall und der Oberarzt sah sehr beunruhigt aus und fragte mich, ob er Ärzte dazu holen könnte, um dieses was er sah, ihnen zu zeigen. War auch okay. Vor Jahren wäre das noch undenkbar gewesen. Früher musste sogar jeder Arzt den weißen Kittel bei mir ausziehen, weil ich so Panik vor Ärzten hatte. Jetzt holte er noch sechs weitere Ärzte in den Raum. Er erklärte alles haarklein. Ich hatte eine massive Entzündung entlang dem unteren Darmabschnitt, aber ob es perforiert war konnte man nicht sehen, aber die Möglichkeit bestand, weil der Bauch so angespannt war und ich ständig auf den kleinsten Druck mit "Spannungsschmerz" reagierte. "Sowas sehen wir auch nicht jeden Tag", gab der Arzt uns allen im Raum zu verstehen. Danach ging es zum CT, wo das ganze Ausmaß zu sehen war. Mir wurde Blut abgenommen und sogar Blutgruppe etc. bestimmt, für den Fall, das es zur Not OP kommen würde. Denn diese Bedrohung stand im Raum. Man erkannte durch das CT eine Vereiterung des Darmes und das Bauchfell war auch schon massiv gereizt. Laut Arzt, wäre es wahrscheinlich mit einem Tag noch warten, schief gegangen. Es wurden zwei Antibiotika über die Venen angesetzt und absolutes Verbot zu essen.

Ich fand das Scheiße, ich fand es auch richtig nervig, dass ich das wieder erleben musste. Man kann sich aber auch echt schon an Pech gewöhnen. Bei mir ist immer was los und kaum Schönes. Ich konnte NICHT zu meinem Workshop und auch mein Auftritt in München fiel flach. Aber ich haderte irgendwie nicht, ich machte Jesus keine Vorwürfe, sondern nahm ihn in Alles mit hinein. Selbst meine Freundin R. sagte, dass sie mich so gelassen eigentlich noch nie erlebt hatte. Ich stellte auch keine Anordnung der Ärzte in Frage, was sie eigentlich von mir kennen. Nichts, die Ruhe in Person.

Ich erlebte auch das erste Mal, wie es sich gelohnt hat, nach der Trennung von Gemeinde und Seelsorger...neue Menschen in mein Leben zu lassen. Jeden Tag hatte ich Besuch. Auch ein kleines Wunder, das nicht Alleine durch stehen zu müssen. Was mich aber besonders gefreut hat, es kamen aus meiner alten Gemeinde auch Leute zu besuch. Wow, ich habe mich echt darüber gefreut! Der Psychologe von der Caritas war auch gleich mit seiner Hilfe zur Stelle. Meinen Therapeuten schrieb ich an und gab ihm zu verstehen, dass ich im Krankenhaus sei und es mir sehr schlecht geht. Ich bat um ein Gespräch im Laufe der Woche, das ich weiter eine Krise vorbeugen konnte. Doch leider wartete ich auf seine Antwort vergebens. Ich entschloss mich und das ist jetzt erst mal entschieden, mit ihm will ich jetzt erst mal nicht mehr arbeiten. Nein, nicht nur, weil er nicht geantwortet hat....NEIN, ich sehe den Sinn nicht mehr. Ich denke, vielleicht ist es auch dran, mit einer Frau zu arbeiten. Aber dieses Thema werde ich noch näher erläutern, wenn ich weiß, was dran ist.

Zurück zum Krankenhaus: ich war dann sechs Tage am venösen Antibiotika und mir blieb die OP erspart, weil es anzuschlagen begann. Ich hatte die ersten drei Tage, zwei liebe Damen in meinem Zimmer. Wir hatten einmal ein sehr interessantes Gespräch, ausgehend von dem Start und Landung des Helikopters auf dem Gelände, wo wir vom Fenster aus genau drauf sehen konnten. Ich weiß nicht wie, aber irgendwie kam ich auf Hezekiel...auf eine Bibelstelle, wo ich denke, dass er sowas in einer Visioin gesehen hat. Etwas wie eine Libelle mit zwei menschlichen Gesichtern....mal kurz gefasst. Ich teilte es wie selbstverständlich mit, was ich so in meinen Gedanken hatte. Plötzlich waren wir mitten im Gespräch über die Bibel und Jesus. By the Way erwähnte ich, das ich ohne Jesus nicht mehr leben würde und irgendwann mein Buch. Beide Frauen lauschten gespannt. Eine der Frauen brachte ich vorgestern mein Buch im Altenheim vorbei, weil sie es unbedingt lesen wollte. Möge Jesus sie sehr anrühren und sie ihn in ihr Leben lassen. Wer mag, darf gerne mal dafür beten. Ich hatte auch zwei Tage, die ich alleine im Zimmer war, als die beiden Frauen nach Hause durften. Ich war immer noch ruhig, kein Drama..kein aufregen etc. . Sonntag kam dann eine sehr verwirrte Frau ins Zimmer, das hätte mir wohl was ausgemacht, wenn ich länger noch da hätte bleiben müssen. Die Antibiotika hatten gut gegriffen und die Werte gingen nach unten. Alles sah gut aus und ich durfte mit dem Auftrag noch weitere sieben Tage hochdosiert Antibiiotika als Medikamente zu nehmen, nach Hause. Das ging zwei Tage gut, dann bekam ich wieder Schmerzen und bekam bei der Hausärztin Blut genommen. Die Werte waren sehr schlecht und sie wechselte das Antibiotikum, weil ich erst mal nicht in die Klinik zurück wollte. Doch der Schmerz wurde schlimmer und ich bekam Angst ...... den Rest könnt ihr nachlesen, da habe ich euch ja alles im vergangenen Blog vor paar Tagen geschrieben!

Bis jetzt bin ich schmerzfrei und es geht mir wieder besser, auch psychisch. Keine Krise, aber Jesus hat auch echt seine Hand darüber gehabt!!

Blessings