26. Okt, 2018

Menschen in der Opferrolle - Gott versorgte sie liebevoll

Es ist heute das erste Mal, dass ich vor meinem Blog sitze und vor zu viel Gedanken und eigentlich auch bisschen Wut, es kaum in Worte fassen kann, was mich bewegt. Aber ich fange jetzt einfach mal an und meistens sprudelt es ja auch aus mir heraus. Das ich sprachlos bin und es kaum auf Papier bringen kann, passiert selten.

Bei uns Christen ist es ja oft so, wenn man was gemacht hat, um Jesus zu bezeugen, zack kommt was daher, wo man wieder eine auf die Ohren bekommt. Meist aus den "christlichen Kreisen", aber das ist jetzt erst mal egal, sind letztendlich genauso Menschen, wie Alle anderen auch. Meist nicht viel besser, obwohl sich viele so viele oft für  Besser halten.

Heute morgen checkte ich e-mails und meine Chronik auf FB, ich machte Halt an einem Post der mir sofort ins Auge stach. Er war von der Überschrift her so provokativ, dass ich gar nicht drüber und daran vorbei lesen wollte. Wie ich es mir eigentlich vorgenommen habe, nur noch so auf FB zu agieren, dass ich nicht mehr auf sinnlose Postings reagiere. Denn es ist oft kein gutes Medium. Jeder selbsternannte Prediger etc. tobt sich auf diesem Medium aus und verschlingt was er verschlingen kann.

Ich habe mir ja auf die Fahne geschrieben, alleine schon wegen meiner eigenen Betroffenheit, dass ich gegen das Schubladendenken und Stigmatisieren gegenüber psych. Kranken aufstehen werde und aufstehe.

Nunja, genau darauf zielte diese unglücklich formulierte Überschrift des Postings. Genau war der Einstieg so: (Quelle: gekreuzigt.de)

Hach, so eine Opferrolle ist einfach toll!! So urige gemütlich! ☺️

Da sind all die Menschen, die mich bemitleiden weil es mir so schlecht geht. Sie schenken mir ihre Zeit und Aufmerksamkeit. Sie sorgen sich um mich, wie um ein krankes Kind. Sie reichen mir auf Wunsch eine Tasse heiße Milch mit Honig und kochen mein Lieblingsessen! Sie nehmen viel Rücksicht auf mich, weil sie wissen wie viel Leid ich erlebt habe und noch immer erlebe. Es ist so schön umsorgt zu werden!

Komisch, dass dann manche behaupten, die "Opferrolle" wäre nicht gut??! 🤨

Dieses zu lesen machte mich traurig und wütend zugleich, nein nicht weil es so unglücklich formuliert ist, weil es zweierlei Menschenmeinungen hervorrufen kann. Ich blieb erst mal wie sicher so viele an dieser Überschrift hängen. Vorallem schreibt es jemand, die selbst einiges erlebt hat und eigentlich nicht spalten oder Zwietracht hervorrufen sollte...!

Ich schrieb meine Entrüstung auch klar unter das Posting, nach dem schon einige Meinungen, von Menschen die sicher auch nur die Überschrift gelesen hatten, darunter standen. Von "Ja du hast so Recht liebe" ...,sicher von Menschen, die sich ihre kleine heile Welt geschaffen haben und es nicht aushalten, wenn jemand mal länger leidet und in der Rolle des Opfers innehält.  Bis zu Menschen, die sich auch angegriffen fühlten, die sicher Betroffene sind und Leid erfahren und mit Sicherheit nicht in der Opferrolle stecken bleiben möchten. Warum wird das Wort "Opferrolle" unter den Menschen nur so bissig behandelt? Irgendwann ist ein Mensch immer mal Opfer irgendwelcher Umstände, der Eine mal länger als der Andere. Warum daraus etwas machen, was sooo schlimm ist? Dann gab es noch Trittbrettfahrer, die dieses tolle Posting gleich noch teilten und dort die Diskussionen auch weiter gingen.

Meine Stellungnahme dazu: JEDER MENSCH IST UND WAR schon Opfer, da wiederhole ich mich. Doch ich sage euch eines, die so genervt von Menschen sind, die sich in der Rolle befinden. (Abgesehen davon, dass selbst Gott mit z.b Elia oder sogar Jona liebevoll umgegangen ist, in ihrer Depression oder wie es Neudeutsch heißt, Opferrolle). Die Menschen die schweres durchhaben, die kämpfen darum frei zu werden, viele von UNS (ich bin da nicht ausgeschlossen) wünschen sich nichts mehr, als ein Leben zu führen, wo man nicht ständig in die Opferrolle durch andere Menschen gedrängt wird. Ja, es sind die Menschen, die Einen dazu machen, (zu den Ausnahmen komme ich gleich, ich spüre euer ABER schon). Die meisten Menschen in den Psychiatrien, in den Therapien, erlernen hart, was sie nicht wissen oder die Dinge, die man braucht Geschehnisse aufzuarbeiten oder es anders in Zukunft zu machen, weil diese Resourcen einfach nicht da sind oder fehlen. Aber ich sage ganz klar, weder ich, noch die so hart an sich arbeiten, erleben, dass ihnen jemand die Milch ans Bett bringt oder jemand ein Tanz um sie macht. Es ist bitteres Leid, was Jesus so sehr heilen will und Menschen dafür gebrauchen, die sich nicht in ihrer heilen kleinen Welt gestört fühlen, weil da jemand länger traurig ist, als das sie es aushalten können oder wollen.

Glaubt mir, die ihr so denkt...euch wird vielleicht Jesus selbst in so einer beladenen Person irgendwann begegnen. Er wird dich dann irgendwann fragen: "Wo warst du als...". Ich kann nur warnen, denn jeder Mensch kann in Depression kommen und Opfer werden. Stellt euch den Krebskranken vor, der Jahre lang seine Therapien machen muss, viel körperliches Leid erfährt. Das ist normal, das ist Salonfähig und man darf "Betütteln"! Stimmts? Aber wehe jemand ist an der Psyche erkrankt......

Natürlich gibt es Menschen (aber auch da zeigt sich eine patholog. Auffälligkeit), die fordern nur Aufmerksamkeit,betteln um dies und das bei den Anderen. Stehen im Mittelpunkt und saugen andere aus. Aber glaubt mir, diese Menschen sind NICHT die Meißten. Jeder der ernsthaft an sich arbeitet und Opfer ist, wird alles tun, um da raus zu kommen!! Ich habe lange Erfahrung, ich selbst und was ich in meinem Leben schon alles erfahren habe, unter anderem Menschen, die narzisstisch andere gebrauchen und ausnutzen.

Solche Überschriften, solche Provokationen helfen nicht. Sie helfen nicht psyschich kranke Menschen in die Mitte zu holen, sondern diese für die "Normalen" (die es gar nicht gibt) "nervigen" Menschen noch mehr ins Abseits zu drängen. Noch mehr Schubladen aufzumachen und rein damit.

Ich bin der Meinung, wenn jemand als Menschenfischer für JESUS (und nicht für sich selbst) draußen ist, sollte man auch reden wie es Jesus tut. Sollte man auch JEDEN Menschen respektieren. Den Menschen der in der Opferrolle bleiben will (auch das ist eine Entscheidung) genauso wie den, der Alles im Griff hat oder sein Leben versucht auf die Reihe zu bringen.

Wollen wir Jesus ähnlicher werden, wollen wir mehr Licht und Liebe unter die Menschen bringen, dann hören wir mal auf mit diesen Stigmata und Unwissenheiten verbreiten. Vorallem, wenn man selbst betroffen ist, sollte man doch sensibler mit diesen Themen umgehen.

Ihr seht, die Sprachlosigkeit hat sich etwas aufgelöst. Weh tut es mir immer noch, alleine schon deshalb, wenn Christen solche Diskussionen führen .

Man kann sich doch einfach von diesen Menschen fern halten, wenn man meint, sie haben in meiner kleinen heilen Welt nichts zu suchen. Aber das zum Anstoß zu nehmen, Menschen zu spalten....ich weiß nicht.

Ich hoffe es kam etwas rüber, wie ich es meine.

Blessings

 

Dazu auch aktuell ein Interview über mich:

https://mutmachleute.de/ptbs-borderline-ego-state-disorder-mein-glaube-hilft-mir-nicht-aufzugeben-der-schrei-ins-leben-vom-dunkel-ins-licht/