25. Okt, 2018

Zerrissenheit in uns - Was davon zeigen wir?

Warum tust du das Elke? -das war die Frage meines Therapeuten letzte Woche. Warum lasse ich es nicht zu: Weinen, Schwäche zeigen und und und? Es ging darum, dass ich die ganzen Wochen, seit dies mit der Polizei und knallharte Trennung vom Seelsorger waren, nicht einmal eine Träne zugelassen habe. Die Trauer tief hinter unsagbarer Wut verstecke, weil ich es so gelernt habe. Doch so langsam tastet sich mein Inneres an diese Trauer heran, an das was mit mir die letzten Jahre passiert ist und wie weh mir getan wurde. Es war nicht nur aus Absicht, am wenigsten aus Absicht, eher aus "mir helfen wollen" und " in Wahrheit nicht können". Durch die Therapie kommen so ein paar Sachen nach oben. Es ist echt zu viel gerade, ich habe auch in 14 tägigen Abständen die Therapie beim Therapeuten. Beim Seelsorger, so wie ich ihn brauche und bei dem Psychologen bei Caritas, jede Woche, weil er mit mir gerade die Dinge am effektivsten anschaut. Aber auch da keine Träne. Beim Seelsorger ließ ich auch sehr viel raus und schaute mir an, was ich auch beim Thera angesprochen hatte und auch da, gleiche Reaktion. Entsetzen auf der einen Seite und bei mir, hinnehmen der Sache, wie sie eben ist. Weg mit dem Gefühl. Es ist wie Tod in mir, alles abspalten. Nur doof, dass der Körper wie immer reagiert. Ich muss so hart kämpfen, dass die Depressionsspirale nicht nach unten geht, davon habe ich ja im letzten Blog  berichtet. Ein sehr harter Kampf. Ich bin diese Woche sogar einfach bei der Caritas raus aus dem Räumen und nix wie weg. Seitdem war ich nicht mehr da, ich habe das Gefühl, auch das schaffe ich gerade nicht mehr. Meine Angst vor Menschen, sie ist gerade ins unermessliche gestiegen. Nur noch sehr wenige dürfen an mich ran. Ich war auf einem richtig guten Weg, jetzt erst merke ich, wie mir das Alles den Boden weg zieht, das abspalten und ignorieren geht nicht mehr, weil ich mich dem Stellen muss, was ich da mit mir habe machen lassen.

Immer wieder kommt in der Nacht der gleiche Traum, welcher immer das gleiche Thema beeinhaltet: Verlassen werden, belogen werden, Einsam sein.

Am Tag, wenn ich mit Jesus und Spike spazieren gehe, kommen so viele Gedanken. Mittlerweile habe ich auch mein Diktiergerät immer wieder parat, damit ich die Gedanken erst da rauf spreche, damit sie erst mal aus dem Kopf sind und dann versuche ich den Rest oder was noch wichtig ist, auf dem Blog zu formulieren. So wie heute und die letzten Tage.

Immer wieder kommt ein Bild und das was ich bitter akzeptieren muss. Ich weiß, viele von den christlichen Leuten meinen, Vergeben und gut ist. Leute, Leute, Leute...schaut in eure Bibel, leider tickt Mensch nicht so und es geht um JAHRE, sehr lange Jahre. Wenn einer von euch schon Menschen verloren hat, der ... wird wissen, was es bedeutet und für jemanden, der emotional sowieso ganz anders tickt, sehr verletzt ist..ist das existenziell und es gibt so viele Menschen, die zerbrechen an sowas.

Nur als Beispiel: In der Seelsorge, war ich gut aufgehoben. Es wurde um mich gekümmert und sehr viel Aufmerksamkeit und Wichtigkeit entgegengebracht. NUR, jetzt kommt es, was ich mit dem Thera aufarbeiten muss. Diese Aufmerksamkeit trennte mich von dem Rest der Leute in der Gemeinde, mit der ich genauso viele Jahre unterwegs war wie mit dem Seelsorger. Ich habe immer versucht ein Teil davon zu werden, ich habe versucht "dabei sein" zu dürfen. Aber sie hatten nur die kranke Elke im Kopf und verweigerten mir das Alles. Mut und Unterstützung bei Dingen, die ich in Angriff nahm, bekam ich nicht.  Das wurde mir ja auch beim letzten Gespräch mit den Ältesten gesagt, dass sie mir nix zutrauten, kein Verlass auf mich wäre.  Bei den Lesungen halfen mir Geschwister, denen ich aber in Wahrheit auch VIEL zu VIEL bin und ich mich eher nicht auf sie verlassen konnte.  Total traurig, denn ich kann viel organisieren, ich spielte früher sogar eine Hauptrolle in einem Musical und ich hatte eine feste Arbeit (auch wenn ich ständig krank war), als ich in die Gemeinde kam. Das Alles habe ich verloren und kann es nicht mehr. Meine Singstimme versagt, weil ich die gemeinen Worte nicht mehr aus dem Kopf bekomme, die mir geimpft wurden. Egal, darauf wollte ich nicht raus. Ich wollte jetzt darauf aus, dass ich wie gesagt in der Seelsorge eingebettet war. Alle Egostates, die nicht reif waren, wurden da gestärkt und der Seelsorger in X Rollen gebracht. Aber wir haben es erst nicht gemerkt. Auch der Seelsorger nicht. Erst 2017 kamen wir an die States dran. Genau das bearbeite ich in der Therapie gerade: Für meine Psyche, für meine States und mich war es katastrophal und eine schlimme Qual. Wie kann man so doof sein und das 13 Jahre aushalten. Das wurde ich jetzt von zwei Profis gefragt, warum schaffte ich den Absprung nicht? Am Ende der Zeit, wurde mir einiges bewusst und ich sagte immer: "Ich bekomme nur die Brotkrumen, die du runter geworfen werden  und ich habe mich schon daran gewöhnt, dass es so ist". Okay, darüber kann sich jetzt jeder seine Gedanken machen. Ich hoffe, dass ich erkenne, was da bei mir abging und dass ich es in Zukunft anders und besser machen kann. Erst einmal muss das Vertrauen und die Angst vor den Menschen wieder weniger werden. Das belastet mich am meisten. Das ich nur noch Angst habe, belogen und betrogen zu werden. WeinenIch kann nicht mal zulassen, dass sich ein Mann in mich verliebt hat. Es ist für mich eine Bedrohung geworden. Es ist so unfair, dass ich das Alles tragen muss und der andere Mensch, sein Ding einfach weiter macht. Im geschützten Rahmen und Menschen um sich, die nur labern können und von gar nix eine Ahnung haben, was wirklich passiert ist. Ich am Ende die Böse bin und er das arme Opfer. Was ich nur weiß, die ganzen Jahre hatte ich Recht..es war egal ob ich ein Teil der Gemeinde wäre oder nicht, es würde die wenigsten jucken. Tatsächlich ist es so, dreizehn Jahre Wegstrecke miteinander und NICHT EIN EINZIGER hat gefragt, warum ich nicht mehr komme. Doch über mich hetzen, über A. und mich Mist erzählen, da sind Einige gut dabei. Und die, die meinen, dass sie ab und zu mal checken müssen....trauen sich nicht mal mich persönlich zu sehen oder zu sprechen.. Wenn dann über Whats app.

Was mich aber einigermaßen Kraft schöpfen lässt, ist zu wissen....Gott wird nicht einfach zuschauen! NIEMALS. Loslassen, ja...auf jedenfall ist das dran, aber wenn die Zeit dafür reif ist, wenn der ganze Bockmist vearbeitet und vorallem betrauert ist. Wenn Jesus mir endlich hilft, die Tränen zu weinen. Dafür brauche ich wieder ein weiches Herz!!! Das auch vergeben kann und sich zugesteht Weinen zu dürfen.

Spike (mein Hund) ist für mich echt ein heftiges Vorbild. Er lebt jede Emotion, er lebt jeden Augenblick. Er denkt nicht an Gestern, er denkt nicht an Morgen. Er genießt jetzt, er hat JETZT Angst, er ist JETZT traurig, er hat JETZT schmerz, er vergibt JETZT! Merkt ihr was? Warum hat Gott uns so nicht gemacht, dass wäre so viel einfacher! Gut okay, ich bleibe dran...dass bald echte Tränen kommen, noch weine ich nicht mal die roten Tränen.

Warum habe ich heute das Bild gewählt, mit all den Menschen, die nach außen eine Maske getragen haben und letztendlich mit ihrem Leben bezahlt haben? Die meisten Künstler, die doch alles zu haben scheinen. Weil es genauso ist. Viele sind entsetzt, wenn jemand wie ich mit einem wahren, echten Gesicht in die Öffentlichkeit geht. Das will keiner wirklich sehen. Jeder will das Gesicht sehen, wie derer auf dem Bild. Was sind wir doch für eine traurige Menschheit. Wie soll Trost unter uns kommen, wenn jeder nur schauspielt? Ja, auch ich schauspiele oft und ich denke dann immer, es zerreisst mich bald. Ich kann so kompetent erscheinen, so lustig (wobei das echt nur noch wenig ist), so nach dem Motto ich checke Alles, mir gelingt alles. Vor paar Monaten konnte ich das noch ganz gut (bis Mai) , doch jetzt kostet es mich so viel Kraft, dass ich dann zwei Tage brauche, wo ich nix mehr tun kann. Nur noch auf dem Sofa und warten, bis die Kraft wieder kommt. Für mich intensive Zeiten. Des Schmerzes aber auch der Nähe zu Jesus. Daher kann ich diese Tage durch stehen. Nur wie lange? (So lange Gott will). Unter den Menschen, auf dem Bild sind auch Christen....auch sie haben den Kampf verloren.

Kennt ihr noch Amy Bleuel, sie startete das große "Semicolon- Projekt" , sie hat tausende vor Selbstmord bewahrt, Hoffnung geschenkt und liebte es so sehr, Menschen zu helfen. Selbst war sie sehr depressiv. Sie war auch ganz offen damit. Doch durch dass, das sie so viel Hoffnung schenkte, vor tausenden von Menschen sich gegen Suizid aussprach, gab es auch eine andere Seite  der Medallie. Sie hatte Stalker, sie hatte Mobber, Neider, Übergewicht....und ihre Depression und Borderline war so schlimm. Trotz ihrer großen Liebe zu Jesus, hat sie sich das Leben genommen. Unerwartet, plötzlich....Am Ende war sie mit der Entscheidung alleine. Ich bin mir sicher Amy war eine taffe und starke Frau, denn sonst hätte sie nie tun können, was sie tat. Noch heute ist das Semicolon-Project aktiv und macht ihre Arbeit weiter. Sie ist bei Jesus. Aber sie war trotz Familie, Jesus und Ehemann, sehr sehr einsam und ein todtrauriger Mensch. Weil es eben die Krankheit ist und nicht, wie so viele gerne (damals in meiner Ex-Gemeinde ständig) meinten, man sich doch zusammen reißen soll, faul ist und und und. Scheiße Leute, warum tut ihr nicht was Jesus tun würde, warum verurteilt ihr diese Menschen (auch mich so hart?) ? Aber ihr steht vor Jesus, er wird euch fragen: "Wo wart ihr als?"

Auch ich habe wie gesagt oft diese Maske. Hätte ich diesen Blog nicht, ich würde gar nicht drüber reden...auch in der Therapie ist es hart die Maske fallen zu lassen...noch. Hätte ich die Liebe Jesus nicht, ich würde echt gehen!

Jeder Tag ist ein Kampf. Den ich an der Hand von Jesus und wenigen Freunden, die mir geblieben sind, kämpfe. Aber es ist nicht lustig. Wenn fünfzig Euro zum Überlebenskampf wird, wenn die Hupe des Autos kaputt geht. Wenn man den Zahnarzt nicht zahlen kann, oder das Geld dann von 200 Euro die man hat, abstottert. Das sind nur finanzielle Probleme, aber sie machen etwas mit mir. Ich bin dankbar, ich bin dankbar für mein Land, dass mich nicht hängen lässt. Denn in anderen Ländern sieht es nochmal anders aus. Nehmen wir China, Indien, Afrika, wo Menschen wirklich ARM sind. Ich bin gegen sie noch reich! Trotzdem macht es was mit einem, wenn noch mehr dazu kommt. Einsamkeit z.b. Verlassen sein. Keine Familie mehr haben. Seit 2009 habe ich null Kontakt mehr zur Familie. Mal sporatisch hatte ich Kontakt mit meinem leiblichen Bruder, was aber schmerzhafter ist, als gar keinen zu haben. Er sagt: "Wir sind keine Familie und waren es nie". Damit hat er zu hundert Prozent recht. Mein irdischer Vater sagte mir als letzten Satz: "Jemand wie du Elke, wäre bei Hitler vergast worden." Meine Mutter hat mich beim letzten sehen "verflucht". All diese Worte sind in mir und ich muss damit klar kommen. Auch mit den Worten von A. "Ich kann dich nicht einladen, weil du meine Feier mit deiner Art kaputt machen könntest" Und so viel mehr. Leute, ich habe eine ganze Menge zu verdauen, um wieder mein Selbstbewusstsein zu bekommen. Vorallem auch die "Liebe" wieder an mich ran zu lassen. Aber jetzt tut es einfach nur weh und ich muss endlich an diese Schmerzen ran. Sonst wird der Tod irgendwann schneller sein, als meine Heilung.

Eins weiß ich, ich werde so ehrlich bleiben!! Ich werde (vorerst noch) schriftlich meine Emotion zeigen und wer ich bin! Nach "außen" werde ich es üben, auch wenn die Menschen nicht damit klar kommen, dann sollen sie eben gehen. Tun sie eh!

Gott liebt mich jetzt, so wie ich bin und er hat mich auch anders gedacht....also bin ich auf dem Weg da hin und ich wünsche mir nichts mehr, als nicht aufzugeben.

Blessings