22. Dez, 2017

Jetzt gerade an Weihnachten denke ich daran, wer mich trägt

Weihnachtszeit - schwere Zeit!

zumindest für mich und ein paar Lesern mit denen ich die letzte Zeit Kontakt hatte. Bei mir ist es so, dass ich früher Weihnachten als sehr spannungsreich erlebt habe. Mittags, als die Großeltern noch da waren, war es meist sehr schön, daran erinnere ich mich noch sehr genau. Doch am Abend als sie weg waren, war es sehr angespannt und oft traurig oder brutal. Nein Weihnachten war auch im Teenageralter nicht mehr schön, wie oft saß ich bevor die "Bescherung" begann, irgendwo in der Kälte und hoffte, der ganze Mist würde an mir vorbei gehen.

Nur eine Weihnachten fand ich ganz gut. Da habe ich einfach, ohne Erlaubnis einen GI (amerikanischer Soldat) zu Weihnachten eingeladen. Ein farbiger, der neu in der Armee war. Das war ein Hallo. Aber am Ende haben sie (Familie) es akzeptiert, irgendwie. Dumme Witze habe ich trotzdem noch anhören müssen. Es war es Wert. Damals konnte ich Leid der Anderen schon schwer ertragen. Daher der GI war mein Gast! Vielleicht auch ein Engel, wie man so sagt. So lange er noch in der Nähe stationiert war, war er wie ein großer Bruder für mich, aber sehr bald trennten sich unsre Wege auch wieder. Doch in meiner Erinnerung ist er geblieben!

Ich habe ja seit ein paar Monaten echt heftige Stimmungsschwankungen. Ein hoch und runter. Gestern war wieder ein sehr schwieriger Tag und ich stand mit einem Fuß in der Psychiatrie. Es ist auch kaum erklärbar was das passiert in mir. Aber ich denke, es hat was mit dem Bearbeitungsprozess zu tun, in dem ich stecke. Viele Außenstehende verstehen es natürlich nicht und es kommen ab und zu gut gemeinte Ratschläge, die aber gar nicht so gut ankommen. Lieblingsratschlag von meist unbetroffenen Menschen oder Leuten die auch schlechte Erfahrungen gemacht haben, denken, es wären ihre eigenen Traumata und erzählen mir, wie sie es geschafft haben, loszulassen. Doch ich behaupte "Loslassen" ist ein sehr sehr langer schmerzhafter Prozess. Mit vergeben, es Jesus einmal hinrotzen und vorbei ist es, no Way! Ja Jesus könnte es, aber bei mir und ich denke bei den meisten, ernsthaft traumatisierten Menschen wird er es nicht einfach wegnehmen. Er geht mit uns durch diesen Prozess und trägt und tröstet. Irgendwie, ich spüre es und kann es aber nicht erklären.

Ich finde es gut, wenn mir Leute ihre Geschichten erzählen, ihre Erfahrungen. Was mich stört, ist aber die Meinungen darüber, wie es bei mir oder den anderen Betroffenen zu sein hätte. Was wir so alles falsch machen. Von, in der Vergangenheit leben, nicht loslassen, über Jesus nicht glauben das er heilt. All das stimmt einfach so nicht!!!! Es ist eine psychische Erkrankung, die ihre Prozesse hat. Bei vielen wie bei mir, musste und muss immer noch eine Nachreifung passieren. In allen Bereichen! Das ist ein Weg, das ist ein Prozess. Schmerz der immer wieder hoch kommt, ist von Flashbacks oder aufdrängenden Erinnerungen durch Trigger....die mit "Ich denke mal nicht mehr an die Vergangenheit" nicht einfach weg gehen. Verhaltensweisen, die sich seit Ewigkeiten eingeschlichen haben, müssen bearbeitet und verändert werden. Was man 30 Jahre falsch gemacht hat, wird nicht von jetzt auf nachher "geheilt" sein. Wie sollte das gehen, wenn Jesus das jetzt alles heilt, wie soll das aussehen? Das alles noch da ist, aber der Schmerz weg? Das man keine reaktive Depression mehr hat? Wie soll es aussehen? Klar punktuell hat Jesus mir auch einiges weg genommen. Ich habe nur noch in extremen Hochphasen wo es mir sehr schlecht geht, Panikattacken. Früher war es so, dass sie aus dem Nichts kamen und ich über Stunden aus diesen Panikanfällen nicht heraus kam. Das hat mir Jesus tatsächlich nach vielen Bitten und flehen genommen! Davon bin ich frei! Ich bin frei von heftiger Aggression nach außen. Klar denke ich oft, ahhhh ich würde jetzt gerne etwas zusammen schlagen, damit der Druck raus ist...doch das entläd sich nicht mehr. Das ist weg! Obwohl es das ist, was ich als Kind gesehen und als Jugendliche auch gelebt habe. Jesus Liebe ist in mir! Punktuell, wie gesagt, war ich so eine Art Robin Hood früher, aber auch ein aggressiver.

Was mich auch oft traurig macht, dass so mancher meine und Jesus Botschaft noch nicht verstanden hat. Geschwister mich sogar angreifen, weil meine Beziehung zu Jesus nicht stimmen würde. LEUTE wenn eines stimmt, dann genau meine Beziehung zu meinem allerbesten Freund! Aber es spielt auch da meine Geschichte mit rein. Jesus ist mein bester Freund....doch manchmal ist es wie mit meinen Freunden  in der Welt, ich misstraue ihnen. Nicht weil ich böse bin oder sie, nein weil meine Geschichte raus kommt. Oft mutieren dann Menschen zu Gestalten aus der Vergangenheit, auch Jesus. Weil mich ihr Verhalten angetriggert hat oder ich sie nicht verstehen kann.

Mein Seelsorger hat von Jesus für mich folgendes bekommen und ich muss mir Gedanken darüber machen und eine Antwort geben.

Jesus sagte "Ich bin (für ihn) sehr wertvoll" und wie kann ich einen kleinen Schritt auf ihn zu machen, dies zu glauben. Ich finde die Frage total schwierig und bewege sie in mir ständig. Andere, die nicht Betroffene sind, werden jetzt vielleicht sagen, "was daran so schwierig ist". Es ist schwierig es anzunehmen, wertvoll zu sein. Wenn man sich selbst am meisten hasst - ganz oft!

Ich wünsche mir so sehr, dass noch mehr Menschen (vorallem Christen) sensibel werden für diese Dinge und für Menschen die anders ticken als sie. Einfach mal ruhig sind und einfach mal paar Meinungen aussitzen...versuchen, Menschen mit psychischen Störungen zu verstehen, statt mit Kopfansagen zu kommen. Aber wer weiß, vielleicht erreiche ich mehr als ich denke, umzudenken!?

Ich denke ich trage neben dem was ich an Leid trage, viel Hoffnung auch noch in mir. Das was mich am Leben hält und ich bin sicher, in den Krisen, die vielleicht jetzt noch kommen werden in dem Aufarbeitungsprozess, wird Jesus der sein, der mich auf seinem Arm oder auf der Schulter trägt. Das nämlich übersteigt meine Kraft und ich würde mir das Leben nehmen, wenn Jesus mich nicht in seinen liebenden, schützenden Armen hätte! Oder er mir nicht die ganzen lieben Menschen vor Ort oder auf Facebook und weiter weg, schicken würde, die mir ihre Liebe zeigen und mir sagen, ich bin ok wie ich bin.

Ich wäre froh, es wäre alles mit einem Schlag vorbei, aber ist es nicht. Heute schrieb mir eine Frau auf Facebook: Elke Blessing, danke das du so vielen missbrauchten Frauen Kraft gibst mit deinem wunderbaren Zeugnis. Du bist ein Licht im Dunkel. Danke für deine Gebete im stillen.

oder:

Liebste Elke. I keep thinking about you. Honey i am so convinced that God is going to use you in a mighty way. I am almost jealous of your afflictions because our Lord ALWAYS uses suffering for HIS Glory. He suffered for us and some people do have to suffer to shine the light for him. MAYBE YOU ARE CHOSEN? What a testimony that could be. (Ich glaube, da ist etwas dran). Aber viele verstehen dieses nicht.

Trotzallem, ich mache mal ein Ende hier für heute. Ich wünsche euch ein richtig gutes Weihnachtsfest, ich wünsche allen die Einsam sind und sich schlecht fühlen, dass es für sie überraschende und gute Begegnungen geben wird. Ich bin morgens Heiligabend bei der Caritas von 10-13 Uhr dort feiern ein ehrenamtliches Ehepaar mit uns ein bisschen Weihnachten. Abends bin ich im Gottesdienst und darf mit singen. Danach hat mich ein Ehepaar zu sich nach Hause eingeladen....es kam anders als ich dachte. So ist Jesus!! Ich selbst sah mich auf der Krisenstation in der Psychiatrie an Weihnachten. Leute...bitte plant ein bisschen für euch selbst. Geht ins TUN und lasst euch NICHT TUN!! Es gibt viele Möglichkeiten.....schaut im Internet ob es Gemeinden gibt, die für Menschen die alleine sind eine Feier machen. Es gibt sie. Bitte werdet aktiv und kommt aus der Opferrolle an Weihnachten raus!

Blessings

https://www.facebook.com/thies.hagge/videos/1947942578553355/

hier ein kleiner wunderschöner Video für euch! Genießt ihn!