17. Nov, 2017

Flashback in der Nacht - Tiefe Trauer in mir

Mein letzter und vorletzter Post hat ja eine Menge Wirbel gemacht. Gut so, so sollte es sein. Auch wenige, sehr wenige Angriffe von Christen, die es einfach nicht kapieren wollen. Hoffe sie raffen es auch noch, das Jesus mit uns individuell geht und nicht das was für mich stimmt, für den Anderen stimmen muss. Diesen Anspruch habe ich gar nicht, aber ich mache mich dafür stark, dass es aufhört, jemanden zu verurteilen, weil er nicht genug glaubt, nicht genug betet oder sonst was. Jesus lässt sich nicht bestechen. Er geht mit uns an der Hand, so wie wir es brauchen STEP by STEP. Es erschreckt mich echt, mit welcher Arroganz, Überheblichkeit und Lieblosigkeit die Standpunkte klar gemacht werden. Ihr Lieben, schweigen ist manchmal mehr. Trotzdem Danke für eure privaten Messenges und die Ratschläge, dass ich doch die Vergangenheit unbedingt los lassen muss. Glaube, die Blogeinträge habt ihr da gar nicht so richtig verstanden. Es ging nicht um das hinschauen, oder immer wieder hinschauen. Es drängen sich auch Dinge auf, die man nicht kontrolliert und sicher auch gerne nicht mehr sehen möchte. Aber wie gesagt informieren, dann reden!

So und heute gehe ich mal ganz bewusst in die Vergangenheit...wohooooo!

Es liegt daran, dass sich in der Nacht wieder etwas aufgedrängt hat. Und ich total geschleudert werde im Moment. Meinen Seelsorger fast in den Wahnsinn treibe, mal überspitzt gesagt. Ja, wir sind gerade an einer heftig harten Sache dran bei mir. Doch leider, kann das nicht geleistet werden, was ich so dringend brauche. Gott sei Dank, geht jetzt im Dezember die Pferdgestützte Therapie los und auch die Ergo-Körpertherapie. Wo es auch um diese Dinge gehen soll. Erst mal wurden bis zu 40 Stunden genehmigt, denn bis ich jemanden an meinen Köper lasse oder in alte Körpererinnerungen gehen kann, wird viel Vertrauen zu der Therapeutin nötig sein. Ich mag Andreas total, weiß, dass er helfen könnte, nur er ist auch Pastor und und und. Nein, wir haben gerade eine harte Zeit.

Ich gehe auch nicht mehr in die Gemeinde, so wie ich es vor 2 Wochen entschlossen habe. Ich würde so gerne die Gemeinschaft haben, aber im Moment schadet es mir mehr, als es mir hilft. Es ist dort niemand, der wirklich weiß durch welche Hölle ich gehe und was es auf sich hat. Ich kämpfe um mein Überleben, ja jeden Tag, neue Entscheidung - ich muss überleben, nicht abhauen. Keine Hand von den "Geschwistern" mit denen man 12 Jahre unterwegs ist. Auch nicht von denen, wo ich mich echt geöffnet habe und gesagt habe, wie es mir geht. Nichts, keine Ressonanz. Ich muss sogar in dieser Gemeinde funktionieren, irgendwie. Ich bin zwar auch in einer Schublade und die Chaotische, aber irgendwie sind sie alles so satt. Aber davon will ich heute mal nicht reden!

Okay zurück zur Nacht. Ich wurde so um 2 Uhr wach, es war ganz komisch. Es drängte sich ein Flashback auf. Ich war 12 Jahre alt, als etwas einschneidendes passierte. Wenn man als Gesunder hinschaut, dann denkt man sicher, was ist denn das? Warum denn so eine Reaktion auf dieses Ereignis. Aber fange ich mal von vorne an. Ich erzähle tatsächlich mal was, was noch harmlos sich anhört und trotzdem traumatisiert hat.

Ich war zirka 5 Jahre alt, als Strubbi in mein Leben kam. Strubbi war ein Stoffhund, mit langen Beinen und rot-weiß. Seine Latzhose war blau. Es war Weihnachten. Stimmung angespannt wie jedes Jahr, aber dennoch erinnere ich mich daran, dass die Wohnzimmertür immer geschlossen war und wir Kinder erst in den Raum durften, wenn der Baum geschmückt war und der Tisch gedeckt. Es gab jedes Jahr russische Eier. Das ist etwas, wo ich mich gerne erinnere. Aber das waren immer nur sehr wenige Stunden, das Ruhe und eine Harmonie zu erkennen war. Oma und Opa kamen Nachmittags immer und hatten immer ganz viele Wäschekörbe dabei, in die sie unsre Geschenke gepackt hatten. Diesmal war Strubbi mit dabei. Ich liebte meine Großeltern, die für mich eine Oase waren. Bei ihnen war es nie laut oder brutal wie bei uns zu Hause. Meine Oma taufte den Hund auch selbst, weil ich sie fragte, wie er denn heißt. Strubbi wurde zu meinem Dauerbegleiter, keinen Schritt mehr ohne ihn. Er war für mich genauso real geworden, wie mein Schutzengel, mit dem ich immer redete. Strubbi lag immer in meinem Arm und redete mit mir (imaginär). Jedes Leid wurde mit ihm geteilt. Bei ihm fand ich Schutz und Geborgenheit. In der Familie fand man es immer zum Lachen und ich wurde ständig damit aufgezogen. Es interessierte mich aber nicht. Denn Strubbi und ich waren ein Team. Viele Jahre später, war er sehr mitgenommen und verlor immmer wieder die Füllung die in ihm war. Ich selbst nähte ihn ab und zu, wie es mir gelang. Denn mir wurde immer gedroht, wenn noch mal die Füllung auf dem Boden liegen würde, würde er weg kommen. (Psychischer Stress)

Als ich zwölf war, vergass ich ihn zu nähen. Strubbi lag aber immer in meinem Bett, immer auf dem selben Platz! Ich war in der fünften Klasse. Eine sehr schlimme und von psychischen und körperlichen Missbrauch geprägte Zeit. Ruhe fand ich immer noch bei Strubbi und er wusste alles. Alles was ich nicht sagen durfte, was an mir schlimmes passierte!

Ich kam eines Tages von der Schule heim. Mein sicherer Ort war entweder ein Baum oder mein Bett (Doppelbett, ich schlief oben, das war sicher). Ich legte mich ins Bett, griff nach Strubbi - aber griff ins Leere. Ich wurde richtig panisch, wo war er? Er war nicht auffindbar. Am Abend als meine Mutter nach Hause kam, fragte ich sie. Ich bekam nur abfälllige Antworten und sie wisse es nicht. So ging es drei Tage. Es war als ob jemand gestorben sei. Ich weinte nur noch und redete nichts mehr, kein Wort. Ich lag nach der Schule nur im Bett. In der Schule war es aufgefallen, dass ich nur noch verweinte Augen hatte. Ich erzählte aber nichts. Meine Lehrerin rief meine Mutter an und fragte was los sei mit mir. Am Abend wurde ich von ihr ins Wohnzimmer gerufen.

Sie saß auf ihrem Stammsessel und blickte mich grinsend an. Dann sagte sie: "Ich habe Strubbi ins Feuer, in den Ofen geworfen. Weil er total kaputt war." Ich wurde starr vor Schreck. Musste mir noch böse und sarkastische Kommentare anhören, wie doof ich sei, weil ich in dem Alter noch so ein Drama um ein Stofftier machte.

Dieser Schock und Starre hielt Tage an. Ich war in tiefster Trauer, niemand  da der mich tröstete. Ich selbst war wie Tod. Ich konnte mit niemanden darüber reden. Weil ich zu geimpft war, so nicht fühlen zu dürfen. Seit der Zeit wandelte sich Trauer in Trotz und Wut in mir. Seit dem fühle ich den Schmerz der Trauer nicht mehr (bis auf heute Nacht, da kam es irgendwie zurück).

Dann ging der psychische Missbrauch rund um Strubbi los. Meine Mutter wusste sie musste handeln, etwas tun, damit die Schule nicht mehr anrufen musste. Sie machte das was sie immer tat. Sie ging in die Opferrolle und machte mir immer noch klar, dass ich total überzogen reagieren würde, wegen eines Teddys. Für mich war er mein Alles.

Eines Abends kam sie von der Arbeit nach Hause und ich musste zu ihr kommen. Ich war eigentlich voller Hass ihr gegenüber. Dann gab sie mir eine Plastiktüte in die Hand und meinte, da hast dein Strubbi zurück. Ich dachte sie wollte mich verarschen. Wie konnte das Strubbi sein, wenn er verbrannt worden war.

Ich schaute in die Tüte...und zog einen, sicher ein Meter großen Teddy heraus.

Er sah aus wie Strubbi, andere Farben zwar und dreimal so groß. Aber ich hasste ihn und gab es zu verstehen. Der emotionale Missbrauch ging in die nächste Runde.  Meine Mutter drehte die Opferrolle um. Sie machte sich zum Opfer und impfte mir ich sei böse, undankbar und würde sie zutiefst verletzten, weil sie ihr Putzgeld dafür geben musste. Jetzt hatte sie mich gepackt...sie tat mir leid. Ich hasste das Teil immer noch...aber spielte ihr vor, dass ich es liebte und freute. Gefühle total gegensätzlich dem was ich wahrhaft fühlte. Die Trauer, Wut und Ablehnung musste ich abspalten. Der neue Strubbi 2, wie ich ihn dann vor ihr nannte, saß im Zimmer auf einem Stuhl, ins Bett kam er nicht. Er war ein Teddy für mich, mehr nicht.

Das zu der Story um was es in der Nacht ging. Beim Flashback tauchen ja nur Erinnerungsfetzen auf. Es war total komisch heute Nacht. Als ich so richtig zu mir kam. Merkte ich, ich war starr. Mein Körper machte gar nichts, ich schniefte nicht, ich tat nicht das was man tut, wenn man weint... aber es liefen einfach dicke Tränen aus meinen Augen. Aber als ob ich es nicht wäre. Dann sprach ich kurz mit Jesus und mir kam dann ein Bild, dass ich das Einzigste was ich aus meiner Kindheit habe, von mir existieren keine Bilder mehr, zumindest habe ich keine. Ich habe nichts aus der Kindheit, außer diesen Strubbi 2. Den sollte ich heute aus dem Keller holen. So genau, warum weiß ich noch nicht. Ob es da um ein Kind-egostate in mir geht? Ob es die Konfrontation ist? Ich weiß es nicht.

Den ganzen Tag war ich schlecht drauf. Trauer, tiefe Trauer spüre ich ja schon die ganzen Tage. Aber keiner der mich hält. Das war auch so ein Gefühl heute Nacht, ich brauchte jemand, der mich ganz fest in den Arm nimmt. Keiner DA. Wie immer in diesem Leben. Andreas bekam alles knallhart ab. Manchmal versteht er auch nur Bahnhof. Weil ich nicht mitteile, was gerade war. Das geht nicht am Telefon oder gleich am Morgen per Chat. Sowieso nicht, bei solchen Dingen muss jemand an deiner Seite sein. Also statt dem weiter Raum zu geben, fuhr ich Trotz auf, gab Andy zu verstehen, er soll endlich gehen....ah volles Gefühlschaos.

Ja ihr Lieben, es tut sich eine Menge und wie gesagt, kein traumatisierter Mensch, kontrolliert es. Bis die Psyche sagt, es ist jetzt okay. Da ist Jesus mittendrin und hilft da durch zu gehen. Seine Umarmung durfte ich spüren in der Nacht und Spike legte sich in meinen Arm, was er nur macht, in der Nacht, wenn er merkt mir geht es schlecht. Doch es ist so grausam, nicht drüber reden, nicht gehalten werden.....und doch danach zu schreien. HILF MIR UND HALT MIT MIR IN DEM SCHMERZ AUS .  Zumindest so paar Egostates in mir. Gut das ich hier schreiben kann und ein Ventil habe.

Blessings ihr Lieben