11. Nov, 2017

Wenn Hass und Liebe sich umarmen - oder Verzweiflung die Hoffnung küsst

Wow was für ein Titel heute. Aber ich saß eben beim Essen und überlegte so hin und her. Weil ich gerade wieder Schmerzen habe. In der Seele (es schreit, tobt und weint. Es tut so unsagbar weh und ich kann es nicht greifen) und mein Unterleib, tut heute wieder brutal weh. Schmerzen überall. Ein Tag zum sterben bereit. Doch so fühlt es sich an. Dann kann ein: "Ich bin den ganzen Tag nicht zu erreichen, melde mich heute Abend", schon eine Krise auslösen. Weil die panischen Anteile wieder mit den Verlassenheitsängsten kämpfen. Sie sind so laut im Moment. Sie glauben es nicht, dass Menschen für mich sind. Na gut fühlt sich auch nicht so an.

Jesus hat die Hand ja total über dem was ich hier so schreibe und tue. Es erreicht eine Menge Leute. Über 12000 in 5 Monaten. Es scheint wohl einen Sinn zu machen, mich hier zu outen und euch in die Gefühle blicken zu lassen. Es dient auch dazu, dass ich ausspreche, was viele die Verletzt sind noch gar nicht können, oder auch dazu, zu sehen "Hey, ich bin nicht alleine, da hat ja noch jemand so verrückte Gedanken und Gefühle".

Doch es gibt sie auch, in der Unterzahl, sehr wenige, die mir unterstellen ich mache das Alles wegen dem Mitleid oder weil ich in Selbstmitleid aufgehe. Ahja, die haben wahrscheinlich gar nichts begriffen. Selbst wenn mal ne Runde Selbstmitleid kommt, das hat JEDER von uns, keine Seltenheit, sondern etwas was zutiefst menschlich ist. Aber es wird verteufelt. Auch wieder am schlimmsten unter den Christen. Gestern machte mich so eine Tante echt so richtig an. Da ging es wieder mal ums Helfen. Um sich selbst das Gewissen zu erleichtern, kam als Alibi für ihre Hartherzigkeit: "Ich helfe niemanden mehr, der sich nur um sich dreht und im Selbstmitleid verharrt." Die Breitseite ging an mich.

Wäre es so, dann würde ich nichts mehr machen, was in Richtung Aufarbeitung oder kämpfen geht. Ich kenne Menschen, viele, die sich aufgegeben haben. Ja auch im Selbstmitleid verharren. Aber das ist deren Entscheidung. Hat sich Mensch aber da mal entschieden dafür und sucht nur streicheln des Egos und Mitleid, ist er sehr schnell unter der Hand von Fremden, die sein Leben bestimmen. Das wird bei mir niemals der Fall sein. Solange ich noch für mich kämpfen kann, Jesus an meiner Seite habe. Wird das Selbstmitleid, wenn es denn mal passiert (schämt euch nicht dafür, harte Menschen die es verurteilen, haben Null Ahnung, dass dies sogar ein wichtiger Prozess ist), immer wieder vergehen. Es ist auch eine Art von Selbstliebe, denn wenn ich mit mir selbst Mitleid haben kann, kann ich es mit anderen auch. Ich nehme mich in der Krise auch wichtig. Ich weiß, ich stelle so manchem seine Überzeugung auf den Kopf. Aber schaltet mal das Hirn ein, warum ihr wirklich nicht helfen wollt. Ehrlich werden, keine dummen Ausreden suchen. Denn wenn man eine Hand gibt und Hilfe zur Selbsthilfe schenkt, wird das Selbstmitleid vergehen. Was verschenkt ihr euch, wenn ihr dem Menschen eine Daseinsberechtigung gebt und sie mit dummen Worten nicht wegnehmt??

Ich weiß nicht was auf dieser Welt los ist, ich weiß nicht was mit Gemeinden los ist. Sie wollen Menschen zu Jesus bringen, aber selbst leben sie gar nicht wie Jesus es tut. Alle sind so satt. Am coolsten finde ich zum Beispiel in Facebook. Gestern bei einer Schwester gesehen. Ein Artikel, wo geschrieben stand. Wenn man soundsoviel Geld nehmen würde, von irgendwelchen reichen Leuten, könnte man soundsoviel Leid mildern.

Ich dachte mir, ja super Gedanke prima! Schön alles abgewälzt. Warum schreiben wir Christen nicht mal sowas wie: "Wenn jeder in der Gemeinde einen Euro geben würde, für den Bruder der in den eigenen Reihen sitzt, dann müsste der vielleicht auch nicht am Rande des Existenzminimum leben. So abwägig der Gedanke?

Gestern war ich das erste Mal seit ich in der Gemeinde bin "Fremd", dieses Gefühl wie gestern hatte ich noch nie in dem Ausmaß. Schrecklich. Ich wollte losweinen, es tat so weh. Was habe ich hohle Nuss gemacht? Stellte mich, wie ich es kannte, in eine Ecke, in der ich mich sicher fühlte und setzte meine Maske auf. Ich weinte innerlich bitterliche Tränen und außen, lachte ich. Mein Gott, wie Schizophren eigentlich!

Ich wurde gefragt wie es mir geht. Brutal ehrlich, wie hier auf dem Blog, war ich auch. Wie es mir wirklich geht. Das ich ums überleben kämpfe, dass ich von der Caritas mein Essen bekomme, damit ich wenigstens einmal am Tag warm esse. Ich Wochenlang, außer wenn ich zur Seelsorge ging, nicht aus dem Bett heraus kam und ich die Wohnung echt vernachlässigt habe. Alles erzählte ich. Die Antwort: "Du gehst jetzt gar nicht arbeiten oder?" Könnt ihr euch das Vorstellen, in welcher Zeit leben wir? Das sind Christen, mit denen ich das bespreche und es kommt so ein Shit aus ihnen heraus. Sorry das ich so hart bin, ich verstehe das nicht mehr. Da geht es nicht um Selbstmitleid. Ich bin trotz Krisen ins Tun gegangen, weil ich wusste, der Stöpsel knallt bald und ich tue mir was an. Ich habe mich um Therapien bemüht und mit letzten Kräften tue ich, was mich überleben lässt. Es ist ein Kampf, den ich mit Jesus zusammen durch stehen werde. Aber sowas, wie mein Umfeld...und das Umfeld vieler die mich anschreiben, das kann nicht wahr sein! Das macht mich so wütend. Ich öffne mein Herz, nicht weil ich noch nachträglich deren Hilfen möchte. Nein ich will sie sensibilisieren, dass endlich über den Rand des Tellers geschaut wird. Da wird alles mögliche gemacht. Bürger für Bürgerarbeit (am Menschen, was ist das für ein Hohn?) Da wird Asylantenarbeit gemacht...alles unter dem Deckmantel Nächstenliebe und der Mensch in der eigenen Gemeinde, der leidet, wird am Rande stehen gelassen? Was ist nur mit Euch los??

In weniger als zwei Monaten ist Weihnachten, wie jedes Jahr, werde ich alleine zu Hause sitzen, wenn ich es nicht schaffe nach Berlin zu meiner Freundin zu fahren. Da ich mit meinen Kräften am Ende bin, werde ich es auch nicht schaffen einzuladen. Wenn Spike nicht wäre, würde ich die Feiertage über in eine Klinik gehen oder wenn ich Geld und Kraft hätte..ab weg von diesem blöden Weihnachtsfest, was eh nur von Mensch erfunden ist. Jesus, die Hauptperson ist eh nicht so wichtig, wie es sein sollte. Aber auch da, schaut nur jeder auf sich und seine Familie. Ein Platz am Tisch, ist für keinen Fremden frei. Aber nach 12 Jahren gemeinsam unterwegs sein, dürfte keiner mehr Fremd sein.

Alle Gemeinden die sich Gemeinschaft nennen und so drauf sind, sollten sich Sonntags-Club nennen, aber bitte nicht Gemeinschaft!

Wenn es nicht wirklich vielen Menschen so gehen würde in Gemeinden, gerade denen die am Rande stehen, dann würde ich meine Klappe halten. Aber das was ich beschrieben habe, ist das was in Gemeinden oft passiert und da sollte schnell was verändert werden.

Was haben wir davon wenn wir den Belandenen, den Kranken in die Reihen holen und dann an den Rand drängen. So wie es mit mir passiert ist? Wenn ich nicht seelsorglich so viele Jahre betreut worden wäre und eine gute Beziehung zu Andreas gewachsen wäre, wäre ich schon lange weg, weil es keine Gemeinsamkeiten gibt.

Nochmal, es ist kein Selbstmitleid, es ist Ärger! Vorallem, dass ich niemals in der Sache ernst genommen wurde! Bis heute nicht.

Gut das Jesus mich so fest in seinen Händen hält.

Blessings