30. Okt, 2017

vier Umarmungen am Tag um "gesund" zu sein - oder am langen Arm verhungern

Wie ihr seit kurzem mitbekommt, ist die Kacke bei mir so richtig am Dampfen. Gar nicht mal so sehr wegen der "alten" Geschichten, die klar irgendwo verborgen immer mitschwingen und etwas nach oben triggern. Aber die Gedanken daran, sind gerade nicht sehr viel. Ich mache mir gerade so Gedanken über das was Therapie ist. Das was bei Therapie und Seelsorge passiert. Vielleicht interessant für Euch in den helfenden Berufen oder Berufungen. Wie jemand Betroffener empfindet, der theoretisch mindestens schon ein Profi ist wie ihr, oder sogar noch weiter. Ich will heute mal über "Liebe" geben und Manipulation reden, die passieren kann, ohne das es gewollt ist. Von der Helferseite aus. Ja ich weiß, heißes Eisen. Aber ich weiß wovon ich rede!

Ich begann meine Therapie 1993 (ich versuchte damals Therapie zu machen, doch brauchte es danach noch mal sechs Jahre bis ich es noch mal anging. Im neuen Buch werde ich viel darüber schreiben). Da lernte ich schon meinen Therapeuten kennen, der irgendwann nach 6 Jahren (wo ich dann wieder in die Klinik kam, in der er arbeitete), mit mir mehr als 15 Jahre gearbeitet hat. 2010 beendeten wir es offiziell und ich begann mit Andreas meinem Seelsorger intensiv zu arbeiten. Beide sind von Jesus absolut eingesetzt. Beide haben es geschafft, dass ich kein Therapeuten -oder Seelsorgerhopping betrieben habe. Das ist mehr als positiv! Doch als ich 1993 das erste mal in einer Psychosomatik aufschlug, war ich sage und schreibe sechs Monate dort. In den sechs Monaten, gelang es niemandem wirklich an mich ran zu kommen. Nähe ließ ich überhaupt nicht zu. Eine Berührung am Arm, hat mich ausrasten lassen. Ich verließ die Klinik damals fluchtartig, als mein Therapeut es einmal versuchte mich in den Arm zu nehmen. Das war der Horror für mich.

Sechs Jahre später kam dann der komplette Zusammenbruch und die Flucht aus den alten kaputtmachenden Strukturen. Diesmal ging es für ein ganzes Jahr in die Klinik. Ich sollte eine Nachreifung machen. Damals wusste man noch nichts von Egostates, die etwas quer schlagen. Man hatte halt eine Reifeverzögerung. Nun ich war emotional auf dem Stand einer Dreijährigen. Anfassen von Fremden war immer noch nicht. Ich löste mich auch gerade von einer Missbrauchsbeziehung, was sehr viele Jahre brauchte, um das zu überleben. Die Therapie die ich damals machte, war eine objektgestützte Therapie. Eine Therapieform, die der Chefarzt eigens ins Leben gerufen hatte. Es wurden Eltern bei traumatisierten Menschen "nachgespielt" (die damals höchsten drei in der Klinik waren, der Rest Depression, Burnout), ich war noch fast wie ein Versuchskaninchen, wobei das nicht schlecht war. Es folgten bis zu dreizehn Klinikaufenthalte, in denen ich diese künstliche Familie bekam. Was auch mehr als ein Wunder war und Gottes Führung. Ich bekam zwei Therapeuten. Mann und Frau. Ich selbst nannte mich immer Neutrum, weil meine Egostates da auch schon machten was sie wollten. Ich war ein ES, sie und er. Eben ohne Identität. Aber auch dazu mehr im Buch, wie das zustande kam. Es wurden sehr starke Bindungen zum Hauptherapeuten aufgebaut und nach vielen Jahren Einzeltherapien...kamen immer mehr Menschen dazu. Am Ende meiner Therapie, als der Seelsorger mich übernahm, wurde ich als "Teenager" so langsam aus den klinischen Therapien entlassen. Ich war körperlich mindestens dreifach so alt. Aber immer noch keine Egostate-Disorder-Diagnose. Einfach nur "Reifeverzögert". Nuja, ist auch egal wie man das Kind nennt ;-) .

Was mir nur auffällt und das ist die Falle in den Therapien und auch Christen tappen in die Falle. Das "verkaufen" von Zuneigung, Vertrauen und echte Liebe. Ich nerve meinen Seelsorger sehr damit im Moment, dass mein Lieblingssatz im Moment in der Krise ist: "Ich habe alles nur künstlich erschaffen. Auch du bist nicht ehrlich!" Das sind gewisse States, die ihm einfach nicht glauben. Doch die Vernünftigeren Anteile wissen, man kann ihm blind vertrauen.

Vier mal am Tag in den Arm genommen werden, das habe ich nun schon öfter in den Medien gelesen. Keine Ahnung ob Menschen, die zusammen sind, sich auch mindestens vier mal in den Arm nehmen, um sich zu zeigen...sie lieben oder mögen sich. Aufjedenfall in den Therapien die ich gemacht habe, sollte ich lernen, Liebe anzunehmen, Berührungen zu zu lassen um zu kapieren, nicht jeder ist Täter, nicht jede Berührung ist etwas, was im Missbrauch endet. Bis zu meinem dreisigsten Lebensjahr bin ich körperlich, psychisch missbraucht worden. Es dauert, ....immer noch, zu glauben - es ist gut, geliebt zu werden.

Mein aktuelle Krise hängt viel damit zusammen. Irgendwie sind seit der Diagnose, die dann auch noch von der Traumaambulanz bestätigt wurde (Egostate-Disorder) ein Schalter  umgelegt worden. Vielleicht auch mehrere in diesen States. Auf jedenfall, jeder Therapeut versucht Vertrauen aufzubauen. Das ist das Ziel, dass überhaupt gearbeitet werden kann. Aber was bedeutet das in der Praxis? Jetzt werde ich sicher einige provozieren oder packen. Aber was passiert, kann so ein Vertrauensaufbau ohne Zuneigung und gehalten werden passieren? Ich meine in der Arbeit mit den Egostates, in der Arbeit mit traumatisierten Anteilen? Kann das sein?

Ich blicke ja auf sehr viel Therapiezeiten zurück und Leute, ich bin nicht mehr so kaputt wie ich früher war. Aber ich bin auch noch lange nicht so weit, dass ich sagen kann: "Jap, jetzt aber durchstarten". Mir fehlt noch so viel. Ich denke, da ich jeden Tag aus der Gnade Gottes lebe und ER viel Heilung geschenkt hat, kann ich überleben. Ohne Jesus, Leute, die ihr ihn nicht kennt und es nicht glauben wollt, ohne ihn wäre ich Tod!! Mausetod. Denn die Welt selbst kann mir nix geben.

Aber zurück zu meinem Eindruck. Auch in der Borderline DBT wird so gearbeitet. Ich weiß noch, als ich das erste Buch von Marsha Linehan las, wo sie schrieb: der Therapeut sollte sich trauen, den Patienten in den Arm zu nehmen und zu trösten. Boah was habe ich damals mit meinem Therapeuten gestritten. Irgendwann durfte er das mit den Umarmungen, nach einer schweren Krise bei mir..(auch da im zweiten Buch mehr), aber als ich das gelesen hatte, gab es eine Situation, wo er mich wieder in den Arm nahm und ich ausflippte, weil ich sicher war das ist alles Berechnung. (Also doch wieder ein Form von Missbrauch, nur das die Therapie gut läuft. Oder ein künstliches erzeugen von gehalten werden). Ich frage mich das ernsthaft. Denn jetzt mit dem Bewusstsein einiger Egostates, die sich beim Seelsorger das erste Mal gezeigt haben, tut es in mir so richtig weh. Jeder dieser States zeigt mir etwas, was er braucht und ich bringe damit den Seelsorger an seine Grenzen. Doch was kann ich tun? Wieder weltliche Therapie suchen, weil die christlichen Therapeuten sind ja nicht so vermehrt gesät. Gerade die letzten Wochen ist es passiert, dass ich mir denke, was ist das? Was lebe ich da? Vier Umarmungen am Tag, wer soll sie dir denn geben können? Wer gibt dir die Bestätigung, dass du gut bist, dass du Dinge gut kannst? Wer nimmt dich an die Hand und zeigt dir, dem Zwerg, wie es geht zu leben. Wie es geht, erwachsen seine Frau zu stehen? Wo, wer, WIE??? Und dann die Sprüche von den Christen, die nix kapiert haben: "Du musst nur an Jesus festhalten, der gibt dir das was du brauchst." AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHHHHHHHH SCHREI. Haltet doch einfach mal die Klappe, denn ich bin sicher, bei den meisten ist es ein BLA BLA. Warum, WEIL.. Jesus sich durch UNS zeigen will. Durch uns wird er lebendig. Durch uns zeigt er dem anderen Menschen seine Liebe, seine Umarmung, sein Mutmachen. Richtig?

Wisst ihr, ich habe kein Problem mit meinem Dad im Himmel, obwohl ich von meinem Vater sexuell und psychisch missbraucht wurde. Ich liebe meinen Vater im Himmel. Ich liebe Jesus über alles, der mir so viele extra Bratwürste brät. Ich kann Jesus oft (ich nenne es so) mit geistlichen Augen erfassen. Ich erlebe mit ihm Dinge, die mir sicher kaum jemand glauben würde. Aber das ist alles völlig egal. Meine Botschaft ist echt die....hört auf zu labern. TUT, TUT, TUT ihr lieben Christen. Ihr die ihr mit Menschen arbeitet, die nach Liebe hungeren, überlegt euch bitte, was könnt ihr geben..vorallem was WOLLT IHR geben.

Denn wir die Betroffen sind, nie Liebe erfahren haben, wir verhungern wenn wir mal Liebe geleckt haben, an eurem langen Arm. Weil es euch plötzlich zu viel wird. Das uns her ziehen und wieder wegstoßen ist das, was uns immer wieder destabilisiert. Fahrt einen klaren Weg mit uns. BITTE! Gerade weil wir durch Therapien plötzlich merken wie es ist, mal wichtig zu sein. Mal gesehen zu werden und auch mal gehalten. Das macht doch natürlich Hunger auf mehr. Das kann jemand der "gesund" lebt nicht verstehen. Wir werden dann sofort als Blutsauger, Nervensägen und Turbogetört abgestempelt. Dabei sind es die verhungerten Kinder in uns, die nur Blut, Gewalt und Hass gesehen haben, die jetzt schreien, niemals eine Umarmung spüren durften.  Also was ist das dann, wenn man das bei einem Menschen raus holt die Sehnsucht weckt und dann immer wieder Grenzen setzt, weil selbst die Grenzen nicht klar definiert waren?

Wer mein erstes Buch gelesen hat, weiß sicher noch von der Situation. Ziemlich neu in der Seelsorge. Andreas fuhr mich in die Klinik und der kleine Egostate in mir schrie: "HAAAAALT MICH FEST! Bitte halt mich fest", doch die Antwort damals war: "Ich umarme nicht und ich weiß nicht, was es bei dir auslöst" Puh das war eine Abgrenzung. Gut, dass das Kind jetzt eine andere Erfahrung machen durfte, mittlerweile, mit dem Seelsorger. Trotzdem immer wieder geschleudert wird, wenn hü und hott gefahren wird. Wie gesagt das passiert jedem Therapeuten und jedem Seelsorger, denn was kann man Menschen geben, die sich nach Liebe sehnen, oder sie überhaupt erlernen müssen?

Die Krise in der ich jetzt bin, hat genau den Fokus darauf gelegt. Klar ist es auch Jesus, der mich in meiner Schwachheit nutzt. Hier auf dem Blog, draußen und bald wieder auf Lesungen..naja bald ist relativ. Ich habe so schlimme Schmerzen in mir gerade. Muss es bearbeiten und verarbeiten. Brauche dazu natürlich neben Gott auch menschliche Hilfen. Doch was, wenn die Hilfen genau da für Verwirrung sorgen? Mir wird gerade in der Zeit sehr bewusst, dass es okay ist jemanden zu umarmen, zu trösten. Es wird mir bewusst, dass es mir so sehr fehlt, dass mir jemand sagt: "Du kannst das, mach weiter. Ich ünterstütze dich". Mir fehlt Familie, eine Kernfamilie aus der ich komme (natürlich will ich die kranke Familie nicht unbedingt wieder), aber ich hätte so gerne Familie, wo ich einfach mal hin kann, mit mir Geburtstag feiert. Geschwister (davon habe ich eigentlich fünf) keiner von denen stellt sich der Wahrheit oder hält zu mir. (kenne ich aber mein Leben lang schon so). Ich habe keine eigene Familie. Weil es kein Egostate gibt, der einem Partner traut (Täter) oder da kaum ein erwachsener State da ist, sich auf was einlassen kann, ohne das Gefühl zu haben, missbraucht zu werden. Ich habe zwei gute Freunde (drei eigentlich, mein Seelsorger wurde auch zum Freund, aber es ist schwierig--wegen der Abgrenzung meiner States, denn bei den States ist er ALLES, sogar oft mal PAPA). wow wie ich da eifersüchtig werden kann, weil der Zwerg denkt er wird "vernachlässigt".

Ansonsten nur Bekannte oder oberflächliche Beziehungen, die mir oft nicht gut tun. Weil gerade die Menschen mich am langen Arm verhungern lassen. (Gefühl). Einfach mal nur praktische Hilfen von ihnen wäre super...

Ich bin gerade irgendwo angekommen, wo? Keine Ahnung. Aber ich spüre es ist was im Umbruch. Ich erkannte was Liebe bedeutet...noch für andere, für mich noch nicht so, weil ich sie NICHT erlebe, nicht intensiv, nur punktuell. Ich vergleiche mich immer mit einem Hund der d ie Brotkrumen bekommt, die die andren über lassen. Eines weiß ich genau, ich leide unter der Lieblosigkeit der Menschen. Es ist so schwer, Leid zu erkennen und weiß die Lösung heißt LIEBE. Wie Jesus es gelebt hat. Einmal erlebt, es lässt nicht mehr los. Nur wer ist bereit, sie zu geben...ohne dass das eigene Ego denkt zu viel zu geben.

Blessings