26. Okt, 2017

Jeden Tag neu fürs Leben entscheiden - Schwerstarbeit

Wie hört sich diese Überschrift für euch an? Ich finde es so traurig und weiß, genau dies ist die Realität von ganz vielen Menschen, die den Kampf noch nicht aufgegeben haben, die immer wieder Hoffnung schöpfen und daran glauben wollen, dass es besser werden kann. Ich kenne es von mir. Seit Monaten geht es jeden Tag darum, überstehe ich ihn oder will ich endlich nach Hause gehen. Viele Christen werden jetzt wieder aufstöhnen und denken...es ist verboten sich selbst aus dem Leben zu verabschieden. Sonst hat man es damit besiegelt "ab in die Hölle". Erinnert ihr euch noch an die Frau, Amy, die das Semicolon-Project ins Leben gerufen hat? Sie war bei Jesus. Sie hat bei Bethel vor mehr als 10.000 Menschen gesprochen. Jesus bezeugt und viele Menschen vor dem Selbstmord bewahrt und Hoffnung geschenkt. Sie selbst, hat sich dieses Jahr im Mai das Leben genommen. Ich bin sicher sie ist bei Jesus, sie hat ihn geliebt. Doch sie war sehr schwer krank, sie hatte einen tiefen Schmerz, den niemand der Depression, PTBS oder andere Krisen nicht kennt, erfassen kann.  Nein das ist noch zu sanft ausgedrückt. Sie starb an diesem Schmerz. Nicht an Krebs oder einer Krankheit die "akzeptiert" wird von der Mehrheit der Menschen. Nein sie starb, weil ihre Seele immer ein Stück mehr gestorben ist.

So geht es ganz Vielen, Millionen von Menschen. Die Seele schreit und die Hand fehlt, die sie halten kann. Viele Angehörige und Freunde sind überfordert oder geben selbst auf zu helfen. Nicht weil sie böse sind, NEIN sie sind unwissend. Was der kranke Mensch brauchen könnte.

Ich kenne seit Oktober diesen Schmerz auch wieder. Jetzt wird mir bewusst, warum in den Kliniken immer Menschen waren, die schon über 50 waren. Denn genau in dem Zeitraum, wenn das Leben sich verändert oder der Alltag ein anderer wird, werden Traumata wieder aktiviert, die nicht bearbeitet wurden. Auch wenn etwas einschneidendes geschieht. Dann nochmal, wenn man um die 70-80 Jahre ist. Das seelische Gehirn vergisst niemals, es leidet.

Es ist also grundverkehrt jemandem zu sagen: "Lass die Vergangenheit hinter dir, denke nicht immer daran". Oder christliche Keulen: "Mit Jesus bist du eine neue Kreatur, das Alte ist vergangnen." ist der Satz so gemeint, wie er oft benutzt wird? So ein Satz hilft nicht, eher, diesen Menschen noch mehr in die Verzweiflung zu stoßen.

Dieser Schmerz der in uns ist, wenn eine Krise akut ist, ist eigentlich nicht in Worte zu fassen, oder zu erklären. Es ist schlimmste Verzweiflung und ich denke, wenn man es mit einem körperlichen Schmerz zu vergleichen wäre...ungefähr so. als wenn man höchsten Grad Verbrennung am Körper hat. Eine kleine Verbrennung tut schon sehr weh. Nur eben an der Seele. Glaube, das ist ein gutes Bild.

Doch was hilft der Seele? Was hilft wenn der Mensch selbst nicht mehr schreien, beten oder sogar weinen kann. Der Christus im Bruder und der Schwester sollte stark werden und die Hand reichen. Schön wärs, meist ist die Realität eine andere.

Klar soll man sich nicht selbst aufgeben, um nur dem Anderen zu helfen. Aber Menschen die in der Not sind, brauchen manchmal gar nicht so viel, wie angenommen wird.  Eine Umarmung würde reichen. Ein Dasein würde reichen. Ein Ablenken würde reichen. Doch oft wird zu groß und weit gedacht, was dieser Mensch nicht alles brauchen würde. Es ist die Situation und der Umgang mit der Krankheit, die es verkompliziert.

Ich erzähle mal wieder von mir, wie es mir in einer Situation geht. Wann bei mir Schmerz kommt. Für jemanden, der es NICHT verstehen kann..kaum nach voll ziehbar. Für uns Betroffene das blanke überleben. Nur so eine shit Situation und wir nennen es auch Trigger.

Als ich damals mit dem Blog startete, ging es gerade um die Krise "50ster Geburtstag". Es seelsorglich anschauen, therapeutisch bearbeiten. Runter regulieren. Ich war verzweifelt, weil meine Psyche und Gefühle mir immer wieder sagten, dass ich nicht wertvoll bin. Das ich keine Familie habe, keine eigene und keine Eltern und Geschwister, denen ich wichtig bin. Mir war klar, ich würde den Geburtstag alleine feiern müssen. Die Gespräche waren nicht sehr erfolgreich. Was ich mir so sehr wünschte, darüber sprach ich nur oberflächlich. Es tat so höllisch weh. Es wurde "Schadensbegrenzung" betrieben. Der Tag kam und Freunde von mir, überraschten mich mit einem schönen Ausflug und am Abend feierten wir noch mit einem Essen in Bad-Tölz. Es war sehr schön und ich fühlte mich geliebt. Am Morgen traf ich mich mit meinem Seelsorger und Pastor zum Frühstück. Könnt ihr im alten Blog nach lesen. Doch die Wehmut blieb. Weil meine Psyche und Seele da vergiftet ist.

Ich bin seit ein paar Wochen wieder sehr destabilisiert und es tut so viel weh, ich nehme mir viel zu Herzen und ich bin am Morgen wie gelähmt und komme kaum in die Gänge. Im Moment muss ich viel Hilfe von Sozpäds annehmen, dass ich "überlebe". Mein Seelsorger ist sehr gefordert. Jesus sicher auch.

Es gibt gerade nichts, was mich nicht triggert, mich nicht überreagieren oder vor Traurigkeit aus der Spur haut. Jeden Tag wieder. Ich denke so oft, endlich gehen zu dürfen. Dann wieder diese Ambivalenz...wenn es mir schlecht geht. Mein Herz spinnt oder ich anders krank werde. (Somatisiere) Ich trage dann auch heftigen Schaden davon. Leider bleibt es nicht nur harmlos.

Naja, das Geburtstagsthema: Meine Bezugsperson wird morgen fünfzig. Mit dem ich damals über meinen Geburtstag geredet habe, bisschen was von meiner Sehnsucht sagte. Wir aber zu keiner Lösung oder Trost kamen. Damit meine ich das Thema, was den Schmerz ausgelöst hat. Ich musste es hin nehmen und wie gesagt, Gott sei Dank wurde ich abgelenkt und Gott sei gedankt, konnte ich mich einlassen darauf. Früher wäre ich abgehauen, um mich da nicht einlassen zu müssen.

Oft nehme ich das Beispiel, dass mein Leben wie das eines Hundes ist, der die Brotkrumen essen muss. Keine Ansprüche haben, das nehmen, was eben das Leben für mich übrig lässt. Damit bin ich nicht alleine, das weiß ich und ich werde so lange es geht, weiter meinen Mund öffnen und versuchen Menschen zu sensibilisieren. Und in unsre verletzten Seelen blicken lassen. Ich lasse sogar meinen Seelsorger, wie jetzt auch, verdutzt zurück. Warum ich jetzt so aussteige, wenn er fünf Tage weg ist.

Klar ist es ein State der brutal Verlustangst hat. Der echt halb hohl dreht, weil jemand dem er zu vertrauen beginnt, einfach weg ist. Das passiert ständig. Ich kann es noch nicht selbst runter regeln. Das wäre das Ziel.

Doch der schlimmste Schmerz ist in mir. Die Wunden. Das zu sehen, wie er geliebt ist von seiner Familie. Wie er sich um NICHTS kümmern muss und überrascht wird. Da ich ihn auch sehr lieb habe, gönne ich ihm alles was ihm Gutes auf der Erde widerfahren kann, von ganzen Herzen und das wünsche ich jedem Menschen den es gibt!!

Es geht um mich, um meinen Schmerz. Diese destruktiven Dinge, die in meinem Gedanken sind, diese Worte die meinen Körper zerstören, weil ich den Schmerz nicht mehr ertrage.

Manche werden wenn sie bösartig sind jetzt mit NEID kommen. Darum geht es nicht. Es ist eine tiefe Verzweiflung, innere Sehnsucht, es einmal zu erleben. Nicht alleine zu sein. Tief zufrieden mit sich selbst und geliebt fühlen. Einmal, vor dem Himmel dieses Gefühl haben. Zuhause zu sein.

Ich bin mir nicht sicher ob ihr mir da jetzt noch folgen könnt. Es ist so schwer, diesen Schmerz zu benennen. Aber ich denke es ist Einsamkeit, nicht gesehen werden, kein Zuhause zu haben und immer um Aufmerksamkeit zu ringen. Da geht es nicht um das was ich hier tue. Nachdem hier schon fast 10500 Menschen waren, ich viele Feedbacks habe, dass ihnen damit geholfen ist, sie sich erkennen und plötzlich verstehen können. Mache ich was ich mache.

Glaubt mir ich bin irgendwie fertig, platt. Will diese Gefühle nicht mehr. Es tut so scheiße weh, ich werde nicht verstanden und es wird immer wieder gesagt: "Ich bete dafür das..". Ja ich bete auch dafür. Und meine Liebe zu Jesus reicht so sehr, dass ich sogar annehme, dass ER vielleicht nicht heilt. Oder später oder was auch immer. Ich verstehe ihn nicht, ich muss nur aus der Gnade leben, irgendwann, irgendwie vielleicht die Brotkrumen akzeptieren. Aber ich werde meinen Herrn niemals hassen. Mit den Menschen tue ich mir da im Moment etwas schwerer und Gott muss mir da immer wieder die Liebe schenken und mir klar machen, Menschen sind wie sie sind. Was wir machen können, was ich tun kann...sensibilisieren. Den Leuten den Schmerz zeigen. Aufhören zu schauspielen. Ich zu sein, wie ich bin. Und wen es nervt, der soll gehen. So einfach. Oder auch nicht. Weil das auch weh tut.

Nicht verstanden werden, immer zu versuchen es irgendwie zu erklären....macht soo müde!! Das braucht es nicht, glaubt mir. Seid für eure Freunde und Angehörigen da. Lacht mit ihnen, sagt ihnen wie wertvoll sie sind. Damit ist sehr viel Seelenheil zu erreichen.

Blessing