2. Sep, 2017

Wir tragen Masken - ich immer weniger

Warum tun wir es?

Masken tragen. Warum denken wir Menschen, wir müssen funktionieren. Wie die Masse funktioniert. Um ja nicht aus der Rolle zu fallen. Welche Rolle, wenn wir für jedes Schauspiel nach außen eine Maske brauchen?

Mir fällt es immer mehr auf, wie ich versuche nach außen hin meine Rolle zu spielen, zu funktionieren. Damit ich mit anderen mithalten kann. Mithalten, bitte..wobei? Ein Leben leben, was der Andere mir vorschreibt oder ein Leben zu leben, was meins gar nicht ist?

Ich muss sagen, ich bin kläglich gescheitert mich anpassen zu wollen. Mitzulaufen, um nicht zu sehr aufzufallen. Ob ich es jetzt bereue? Nein keineswegs. Ich bin nun dabei mein wahres ICH zu finden. Lieber spät als nie.

Es ist absoluter Blödsinn zu meinen, es hat alles so zu laufen wie bei den ANDEREN. Hä, wieso? Echt ist es das:  Geboren werden, Kindergarten, Schule, Lehre, Heiraten, Kind(er) bekommen, Arbeiten/Geldverdienen, Hobbies, Urlaube, Haus/Wohnung, Rente, Kiste. ETC....????

Ahja...aber merkt ihr was?

Ich habe es jetzt gemerkt und kann einiges von dem da oben genannten wegstreichen.

Da es alleine von meiner Biographie her nicht so laufen konnte, macht mich schon alleine deshalb zum Außenseiter.

Was mir gerade auffällt. Mein Seelsorger ist 3 Wochen in Urlaub und kaum greifbar. Deshalb gab es jetzt einen kleinen Rückschritt. Wir waren gerade dabei, daran zu arbeiten, dass ich meine Ängste vor den Menschen in der Gemeinde verliere. Nein, ich habe keine Angst vor ihnen, das sind alle echt ganz liebe Menschen. Es liegt an mir und meinen negativen Erfahrungen mit Menschen allgemein. Ich habe Angst davor, anders zu sein. Die Maske nicht aufrecht erhalten zu können. Was ich ja auch nicht will. Doch wenn ich Sonntags in die Gemeinde komme, kommt es mir vor als ob sie ALLE ohne Ausnahme, eine Maske tragen. Eine Maske die sogar gleich aussieht. Nur nichts von sich preisgeben. Sie kommen mir dann alle so perfekt vor. Weil der Eine vom Anderen nichts weiß und wissen soll, wird die Maske auch fest getragen. Wie angemeiselt. Dies verunsichert mich total. Denn ich bin NICHT perfekt, ich habe fast nichts von dem, was sie vorzuweisen haben.

Ich denke, ich bin ein Alien. Daher, schaffe ich, bis Andreas wieder kommt und wir weiter üben können, es nicht in den Gottesdienst. Ich weiß, dass ich mich dem wieder stellen muss. Ich weiß, ganz vielen von Euch geht es auch so. Ich fühle mich so unperfekt, so anders als diese Menschen mit den perfekten Masken. Würden sie diese doch endlich mal fallen lassen und sich als verletzliche Menschen zeigen, dass man gemeinsam "echt" unterwegs sein kann.

Meine Maske, sie wird immer weniger genutzt. Doch ist sie als Schutz auch bei mir immer wieder da. Wenn ich traurig bin funktioniert sie ganz gut, dass ich lächle. Obwohl mein Inneres schreit, weint und tobt. Das ist so unehrlich.

Wem erspart man da etwas?

Den anderen und selbst verletzt man sich weiter und weiter. Weil das ICH verloren geht. Das geht schon so automatisch, dass man die Anderen nicht belasten will oder belästigen. Nichts aber auch gar nichts haben wir vestanden, wenn wir nicht beginnen uns zu zeigen, wer wir sind und gerne die Lasten der anderen mittragen wollen.

Warum sind wir alle so Harmoniesüchtig? Warum muss alles in unsren vier Wänden bleiben. Warum sehen wir das Schwache, als was schlimmes an? Wo soll der Trost her kommen, wenn wir die Masken aufhaben und ein dämliches Grinsen im Gesicht, was die Tränen in aller Brutalität weg hält?

Merkt ihr, es ist fast schon ein Stilbruch in eineGemeinschaft zu gehen, wo alle so perfekt wirken. Die Seele bekommt unter den Menschen (Christen, Gemeinden auch) einen Knacks. Wir leben an dem was Jesus sagt, vorbei: "Weint mit den Weinenden und freut euch mit denen die sich freuen".

Wisst ihr wie schlimm es ist, wenn eine Seele weint oder irgendwie belastet ist und sich nicht zeigen darf?

Ich für mich habe mich entschlossen, dafür zu kämpfen...dass ich NICHT mehr meine Masken zeige, sondern authentisch leben will. Wem es nicht passt oder es anders haben möchte...muss halt gehen. Es ist etwas, was Jesus mir klar gemacht hat, mein authentisch sein....leben. Meine Traurigkeit, die unterschwellig noch immer da ist, (Freunde von mir und auch schon andere Menschen - wie Therapeutin etc. sagen mir öfter: "Elke, wenn man in Deine Augen schaut, sieht man IMMER die Traurigkeit eines Kindes durchschimmern") verstecke ich so oft hinter einer Fröhlichkeit, um anderen zu gefallen und nicht zur Last zu werden. Wird man echten Freunden oder Menschen die einen lieben echt zur Last?

 Ja die Augen, der Blick in die Seele.

Es ist doch echt komisch, dass wir es gut finden...keine Masken zu tragen und tun es trotzdem. WARUM?

Mehr schreibe ich heute nicht dazu. Es soll einfach als Impuls so da stehen bleiben....für mich weiß ich, es ist in dem Punkt noch ein langer Weg. Doch ich will die Maske in die Tonne hauen, sie nie wieder brauchen!

Und du?

Blessings