26. Aug, 2017

Hörst du oft oder bist du jemand, der oft ermahnt-nicht zurück zu schauen?

Seit ein paar Tagen, denke ich viel (genau) darüber nach. Weil ich gerade in den öffentlichen Netzwerken immer wieder davon lese, wenn jemand sich outet, dass es ihm schlecht geht, die Wurzel in der Vergangenheit liegt. Oft liest man dann: "schau nicht so oft zurück oder lasse die Vergangenheit ruhen".

Richtig das kann und muss irgendwann der Schlüssel sein. Doch denken diese Menschen, die das raten echt, dass es ein absichtliches zurückschauen ist?

Menschen mit schweren Verletzungen, müssen mit Vergangenheit klar kommen und sie verarbeiten. Wo am Ende, da bin ich auch dafür, IMMER die Vergebung stehen sollte. Doch das ist ein sehr langer Prozess. Ein Mensch der dreißig Jahre Missbrauch oder anderes erlebt hat, wird in zwei Jahren, meistens nicht damit klar kommen.

Ich bin mit meiner Geschichte in der Öffentlichkeit und ich blicke selten mit Schmerzen zurück, es sei denn die Psyche bringt wieder etwas zu Tage, was verdrängt war. Dann wird es wieder (schmerzvoll mit absoluten Gefühlschaos) bearbeitet und weiter gehts.

Doch was das wirklich ist, was vor den Anderen so aussieht, als ob wir uns ständig mit der Vergangenheit beschäftigen, sind die alten Gefühle, alte Reaktionen und viel Misstrauen. Daher tut man uns, die so viel aufzuarbeiten haben, sehr großes Unrecht, mit dem Satz "geh nach vorne schaue nicht zurück".

Es sind Gefühle die aus der Geschichte her rühren und bearbeitet werden sollten.

Für Nichtwissende ist es schnell daher gesagt, lass die Vergangenheit los. Ich für mich kann sagen, was an mir passiert ist, habe ich am Kreuz gelassen. Habe es Jesus gegeben, mit dem ich daran arbeitete, dass es keine Macht mehr haben darf. Und doch ist das sehr viel komplexer. Ein Mensch mit PTBS, kann Gefühlsmäßig nur durch einen Geruch angetriggert werden und in einen Zustand kommen, der ihm erst mal den Boden nimmt. Da kontrolliert man nicht.

Denn dies ist das komplexe System der Psyche des Menschen. Auch etwas was wir von Gott mitbekommen haben.

Ich bin mit meiner Geschichte an der Öffentlichkeit, erst mal, weil Jesus es möchte, mir den Auftrag gegeben hat.

Ich weiß oft mache ich es mehr schlecht als Recht, aber ER ist der, der mich vorbereitet und befähigt.

Wie oft will ich den Rückzieher machen und die Öffentlichkeit verlassen. Weil auch sehr wenig aus den eigenen Reihen kommt. Aber ich möchte auch neben meinem Auftrag Jesus groß zu machen und ein Zeugnis sein (auch ohne die perfekte Wunderheilung, die von so vielen draußen erzählt wird).

Vor allem geht es mir auch darum, aufzuklären, zu zeigen, was geht in einem Menschen mit einer psychischen Erkrankung vor, die oft von anderen Menschen verursacht wurde.

Ich möchte nach außen gehen, um aufzuklären, dass es JEDEN treffen kann und dass endlich die Hilferufe von Menschen gehört werden ohne sie zu verurteilen. Es sind keine verrückte Menschen, gerade im Gegenteil. Meist sind es Menschen die einen sehr hohen IQ haben, sehr kreativ sind und vor allem ein sehr großes Herz haben. Das aber sehr verschüttet sein kann, weil sie leiden, viel Schmerz in sich tragen. Das Vertrauen verloren haben! Dann kommen, auch wenn die Sprüche gut gemeint sind, sie eher wie harte neue Schläge über einen. Ich wünsche mir, dass jeder erst dann beginnt zu reden, wenn er genau weiß worum es geht und ob ich den Anderen damit neu verletze. Die Zunge ist so ein böses Ding, manchmal. 

Ich kenne das bei mir selbst, wenn es mir schlecht geht und das kommt öfter mal vor und hat einfach mit dem zu tun, dass meine Frusttrationstoleranz noch weniger ist, als es sein sollte. Weil "alte" Gefühle die ich nicht abstellen kann, im Vordergrund sind. Sie sind veränderbar, aber wenn jemand fast 45 Jahre gemeint hat, die Gefühle und Reaktionen sind richtig, dann braucht es sehr viel Geduld und Zeit es neu zu lernen, es anders zu machen. Die Gefühle kommen und gehen zu lassen. Gefühle gehen vorbei! Das ist wahr. Doch erst mal muss man sie aushalten, da braucht es nicht noch das Pseudowissen der Anderen, die meinen: "Ach sie ist wieder mit ihrer ständigen Beschäftigung mit der Vergangenheit". Das ist es in den meisten Fällen überhaupt nicht. Erst mal jemanden kennen, dann reden. Ich bin der Meinung, bevor ich einen schlauen Satz raus haue, schaue ich, ob nicht einfach mal nur da sein dran ist. Wir Christen neigen ja sehr schnell dazu ganz fromme Worte (die in der Krise richtig gemein sind) heraus zu kloppen und dann auch noch missbrauchen. Vielleicht mal Inne halten und schauen, ob es nicht mit mir selbst zu tun hat. Ich erwische mich auch, wenn ich mal ein paar Seelsorgegespräche gemacht habe mit anderen...sie aber einfach nicht verstehen können, oder sich keine Veränderung abzeichnet, dass ich sehr ungeduldig werden kann. In mir, weil ich denke, mensch jetzt kapiere es doch endlich, mache doch einfach mal den Schritt raus. Dann würde ich auch gerne mal was raus kloppen um anzutreiben. Aber das ist nicht was Jesus tun würde und der Andere ist nicht ich. Er braucht was anderes als ich. Nicht jeder ist so ein Kämpfer wie ich es bin, manche sind noch mehr verletzt als ich es bin. Das alles müssen wir sehen! Also erst mal den Menschen anschauen und vielleicht nur mit ihm schweigen oder mal festhalten. Worte sind manchmal einfach viel zu viel.

Blessings