11. Aug, 2017

Fehlendes Urvertrauen - Vertrauen ist die stärkste Art von Mut

Anderen Menschen zu vertrauen geht nur, wenn der Mensch sein Urvertrauen noch hat. Ein Mensch mit frühen Gewalt/Missbrauchserfahrungen, (noch vor dem dritten Lebensjahr) hat große Probleme Menschen zu vertrauen.

Ich habe es die letzten Tage erlebt. Wie ich wieder in ein altes Verhaltensmuster gefallen bin und alles in Frage stellte. Sogar mit einem Menschen, der mit mir schon 12 Jahre arbeitet und dem ich eigentlich blind vertrauen kann. Es ist schon besser geworden und wenn ich stabil bin, die Beziehung zu dem Menschen mit dem ich gerade zu tun habe trägt, dann gelingt es auch. Aber nur bis zum nächsten Trigger oder etwas was ich noch nicht deuten oder verstehen kann.

Wie gesagt bin ich in die Falle gegangen. Weil sehr viel hochgetriggert wurde. Ich denke, dass weiter schreiben an meiner Geschichte, trotz destabilisiert zu sein, hat mich noch mal neben der eigentlichen Re-traumatisierung, noch weiter Re-traumatisiert. Durch das Anschauen der noch nicht bearbeiteten schlimmen Traumata. Mein Seelsorger sagte mir auch, dass er es beim Lesen genau spürte, dass ich zum Teil mitten in der Geschichte war, ohne Abstand zu haben. Ich denke damit hat er Recht.

Die Tage hat  es gereicht mich zu schleudern, in dem mein Gegenüber nur meinte, dass er schlecht gelaunt sei und aggressiv. Ich konnte mit der Information nichts anfangen. Von einem Menschen, der keine Störung im Erleben hat, eine ganz normale Äußerung, ohne Hintergedanken. Eher im Gegenteil, einfach um sich zu erklären, warum er gerade nicht ganz da sein kann.

Jetzt nach dem wir es angeschaut und bearbeitet haben, verstehe ich es und kann es einschätzen. Doch in der Situation, gab ein Trigger den Anderen. Ich war mitten in den Geschichten und den Stimmungen, die ich als Kind und Jugendliche erfahren hatte. Mein Gegenüber mutierte für mich genau zu den Tätern. Ich versuchte es zu kontrollieren, es war kaum zu schaffen. Es waren mindestens drei Egostates anwesend mit allem was sie auffahren konnten und mein Ich ganz klein und nicht greifbar. In dem Gespräch, was für mich nicht mehr kontrollierbar war und das Gegenüber zu alten Tätern wurde (Assoziation), gab es mindestens drei Dissos und völlige Hilflosigkeit. Brutal was da in einem abgehen kann. Panik, eigene Aggression, Schweigen und Flucht.

Jetzt kommt das Licht ins Spiel. Immer wieder schafft es der Seelsorger es zu durch brechen. Dass es nicht zu einem kompletten Vertrauensbruch kommt oder überhaupt zu einem Abbruch unsrer Arbeit. Jesus gibt ihm immer wieder das richtige Handeln und Denken. Wenn ich in so einem Film bin, dann sehe ich das Gegenüber nur noch als "die Täter," das ist ein ganz komischer Zustand. Den ich mittlerweile, wenn nicht mehr in der Situation, erkenne. Aber noch nicht durchbrechen kann. Ich denke, den Zustand zu erkennen, wenn auch etwas später, wenn man von der Situation abstand hat, ist noch eine Nummer härter, als nur reagieren und gar nicht erkennen was da abgeht. Schon verrückt Zwinkern. Manchmal hält man sich dann selbst nicht aus, die Reaktionen, die sich da zeigen. Absolut neben der Spur. Und das Gegenüber muss es auch aushalten. Daher wollte ich wieder flüchten. Weil ich mich wieder als Monster sah, das "jeden" unglücklich machen würde. Ich konnte nichts erfassen oder verstehen was passiert ist. War nur im Rechtfertigungs-und Angriffsmodus. Daher kann ich nur froh sein, dass Jesus mir einen Menschen an die Seite gestellt hat, der so viel Geduld hat. Das ist echt kaum zu glauben. Ich wäre schon weg, ich würde das nicht aushalten, wenn es immer zwei Schritte vorgehen würde, dann auch mal wieder drei zurück. Doch er bleibt an meiner Seite. Ist das nicht viel Vertrauen wert? Doch....aber ich muss noch viel lernen. Lernen auch mal aushalten, dass ich nicht abchecken muss, wie jemand drauf ist. Das Gegenüber auch mal drauf sein zu lassen, wie es eben ist. Abstand von mir, weil es auch mal nichts mit mir zu tun haben kann. Lernen, lernen, lernen.

Manchmal würde ich einfach gerne davon laufen, aber wenn dann weg von allem. Das geht leider nicht, ich muss in der Welt leben und dem was Jesus mir gegeben und an meine Seite gestellt hat. Jeden Tag neu Ja und jeden Tag weiter gehen. Es ist wahnsinnig schwer. Vorallem das Vertrauen, dass Menschen es gut mit mir meinen. Ich will es aber lernen - gehen - verstehen, wie die Welt so tickt. Wie Menschen ticken, die nicht Missbrauchen oder Gewalttätig sind.

Noch kurz was, was ich auch ständig in Gedanken habe. Ich folge Jesus und nenne mich auch Christ. Aber manchmal ärgern mich Christen, vor allem diese, die eine so heile Welt haben und von dem ich rede, nie ein Wort verstehen können, manche auch gar nicht wollen. Doch haben sie oft ihre Sprüche auf den Lippen, die keinem Menschen hilft, der beladen ist und leidet.

Der am liebsten ausgesprochene Satz: "Du glaubst nicht genug", auf den ich jetzt nicht eingehen möchte, aber ein riesen Bullshit ist und so viel Unheil anrichtet.

Was mich aber auch genauso ärgert und annervt: "Lebe nicht in der Vergangenheit, lass die Vergangenheit los". Leute es geht NICHT darum die Vergangenheit los zu lassen. Ich habe meine Vergangenheit losgelassen, was vor allem beinhaltet, dass ich vergeben habe.

Das ich nicht mit aller Gewalt die Erinnerungen hoch hole. Glaubt mir, Menschen die viele Traumata erlebt haben, sorgt schon die Psyche dafür, dass sie die Erinnerungen hoch holt. Das sie Gefühle aktiviert. Ja, ich mache es..ich gebe es immer wieder Jesus, mit der Option, dass ER es mal wegnimmt, die Erinnerungen und Gefühle. Doch wenn ER andere Pläne hat, dann ist es so. ER weiß wieso und ich weiß es auch. Ihr wisst, der Stachel im Fleisch. Ich habe ein sehr hohes und großes Vertrauen in meinen Herrn. ER kommt immer mit rein in die "Zustände", ER ist immer dabei und trägt mich durch. Genau darum geht es. Bitte hört endlich auf, den Menschen zu erklären wie es geht und zu gehen hat. JESUS arbeitet an jedem individuell. Wenn Er jemanden heilt und echt ganz heil macht, dann Hallelujah. Große Sache. Aber was dann noch? Diese Menschen können sagen, sie sind geheilt, aber weiter geht es dann bei vielen nicht. Wenn die Öffentlichkeit auch mal kapieren würde, wie wichtig es ist, jemanden auf dem Weg in die Heilung zu begleiten. Jemand der beschreibt, wie es ist in Krisen und an der Arbeit an sich selbst, mit Jesus unterwegs zu sein und an ihm fest zu halten. Dann würden noch mehr Leute erkennen, dass sie nicht alleine sind. Denn wie gesagt, viele haben auch NICHTS von einem Zeugnis: "ich bin total geheilt", wenn Jesus an dem Menschen andere Heilung vollzieht und die Heilung vielleicht auch ausbleibt. Bei mir ist es so, dass Jesus viel geheilt hat. Spontanheilung wie die Leukämie oder die Darmperforation waren auch dabei. Panikattacken ganz weg. Aber ER lehrt mich auch und ER will mich authentisch draußen bei den Menschen sehen. Beides ist gut und brauchbar. Aber wieviel sind draußen, die ihren Weg mit Jesus in der Krise offen zeigen und erzählen? Machen wir uns mal Gedanken. Bitte liebe Geschwister, denkt mal drüber nach, ob die Worte manchmal nicht mehr runter ziehen, als das sie helfen. So wie es Jesus tun würde, sollten wir SEIN EVANGELIUM in die Welt bringen.

Blessings