Erklärung Posttraumatische Belastungsstörung

 

PTBS / Posttraumatische Belastungsstörung

 

Eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) oder auch post traumatic stress disorder (PTSD) ist eine verzögerte und lang anhaltende Reaktion auf mindestens ein traumatisches Erlebnis. Diese Reaktion ist durch intensive Angst, Gefühle von Hilflosigkeit und Entsetzen gekennzeichnet.

Das belastende Erlebnis ist in der Regel mit einer möglichen Bedrohung verbunden, so zum Beispiel im Rahmen von körperlicher Gewalt, Naturkatastrophen oder Krieg. Dabei spielt es keine Rolle, wie lang die traumatische Situation angehalten hat.

Auch Personen, die nicht unmittelbar bedroht waren, die aber Augenzeuge des Geschehenen waren, können eine posttraumatische Belastungsstörung entwickeln. Die Betroffenen durchleben die traumatische Situation in Gedanken immer wieder, so zum Beispiel in Form von sich aufdrängenden Erinnerungen oder Albträumen.

Neben der posttraumatischen Belastungsstörung gibt es weitere Erscheinungen, die nach einem traumatischen Ereignis auftreten können. Hierzu zählen die akute Belastungsreaktion und die Anpassungsstörung.

Die Anpassungsstörung entwickelt sich nach einer entscheidenden Lebensveränderung, etwa nach dem Tod des Partners. Die Störung setzt meist innerhalb eines Monats nach der Veränderung ein und hält nicht länger als sechs Monate an.

Unmittelbar nach einem traumatischen Ereignis kann zunächst eine sogenannte akute Belastungsreaktion auftreten. Diese kann sich in unterschiedlichen Symptomen äußern, so zum Beispiel in Ängsten, depressiver Verstimmung, körperlichen Beschwerden und einer veränderten Wahrnehmung. In der Regel klingt die akute Belastungsreaktion nach einigen Tagen bis Wochen wieder ab – der Betroffene hat das Erlebte bewältigt. Dies ist jedoch nicht immer der Fall – dann entwickelt sich eine posttraumatische Belastungsstörung

Halten die Beschwerden einer akuten Belastungsreaktion länger als vier Wochen an, spricht man von einer posttraumatischen Belastungsstörung.

Die Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung können sich jedoch auch plötzlich Wochen nach einem traumatischen Ereignis zeigen, obwohl seit dem Trauma bislang keine Beschwerden aufgetreten sind.

Wenn eine PTBS dazu führt, dass sich die Persönlichkeit des Betroffenen tiefgreifend verändert, spricht man von einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung.

Häufigkeit

 

Über die Häufigkeit der posttraumatischen Belastungsstörung gibt es unterschiedliche Angaben, die zum Teil stark voneinander abweichen. Schätzungen zufolge erkranken zwischen einem und neun Prozent der Allgemeinbevölkerung einmal in ihrem Leben an einer PTBS.

Eine posttraumatische Belastungsstörung tritt insbesondere nach Erlebnissen wie sexuellem Missbrauch, Vergewaltigung, anderen Gewaltverbrechen und Krieg auf. Auch nach Verkehrsunfällen und schweren Erkrankungen wie etwa Krebs oder einem Herzinfarkt kann eine posttraumatische Belastungsstörung entstehen. Bei Frauen erfolgt die Diagnose etwa doppelt so häufig wie bei Männern.

Eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) kann viele Ursachen haben. Als Ursachen kommen jedoch immer traumatische, sehr belastende Ereignisse infrage, wie zum Beispiel:

  • sexueller Missbrauch, Vergewaltigung
  • körperliche Gewalt, Folter, Gefangenschaft
  • Krieg
  • Terroranschlag
  • Naturkatastrophen, z.B. Erdbeben
  • Unfälle
  • eine ernstzunehmende Erkrankung (z.B. Krebs oder Herzinfarkt)

Nicht jeder Mensch, der eine ungewöhnlich belastende Situation durchlebt, erkrankt in der Folge an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Vielmehr spielen auch andere Einflüsse eine Rolle, so zum Beispiel vorangegangene traumatische Erfahrungen oder genetische Faktoren.

Generell erkranken eher Personen, die psychisch nicht sehr belastbar sind, jedoch können auch psychisch stabile Menschen eine PTBS entwickeln. Bei Frauen wird eine posttraumatische Belastungsstörung häufiger als bei Männern diagnostiziert.

 Ein weiterer Risikofaktor für die Entstehung einer PTBS ist das Alter des Betroffenen: Tritt die Belastung in jungen Jahren ein, steigt die Wahrscheinlichkeit, zu erkranken. Auch ein mangelndes soziales Netzwerk und ein niedriger sozioökonomischer Status begünstigen eine posttraumatische Belastungsstörung.
 

Die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) zeigt die ersten Symptome in der Regel mit einer Verzögerung von einigen Wochen bis hin zu mehreren Monaten nach dem belastenden Erlebnis. In manchen Fällen vergehen sogar Jahre, bis die Symptome einer PTBS auftreten. Manchmal geht der posttraumatischen Belastungsstörung auch eine akute Belastungsreaktion voraus. Hält diese länger als vier Wochen an, kann der Arzt die Diagnose posttraumatische Belastungsstörung stellen.

Welche Symptome im Rahmen einer PTBS auftreten, ist individuell verschieden. Eine posttraumatische Belastungsstörung zeigt jedoch meist Symptome wie:

  • Erinnerungssymptome (Intrusionen): Der Betroffene durchlebt die traumatische Situation immer wieder, zum Beispiel durch sich aufdrängende Gedanken, sogenannte Intrusionen. In Flashbacks (englisch für Rückblende) treten plötzlich albtraumartige Bilder oder Eindrücke des Ereignisses in Erinnerung. Bei einem Flashback fühlt und handelt der Betroffene so, als ob er das Geschehene erneut durchlebt. Auch bestimmte Situationen, die an das Trauma erinnern, können zu Symptomen wie starken Ängsten führen. Zudem kann eine posttraumatische Belastungsstörung mit sehr intensiven Albträumen, Tagträumen und Ängsten verbunden sein, aber auch mit partiellen oder vollständigen Erinnerungslücken (psychogene Amnesie), die den Menschen sehr belasten. Häufig wiederholen sich im Rahmen einer posttraumatischen Belastungsstörung ähnliche Träume immer und immer wieder und der Betroffene wacht schweißgebadet davon auf. Die Person hat nicht das Gefühl, dass das Ereignis vorbei ist, sondern fühlt sich, als würde er es immer noch durchleben. Manche Betroffene sind überzeugt davon, sie seien selbst schuld an dem, was ihnen wiederfahren ist. Sie sind nicht in der Lage, ihre belastenden Gedanken zu unterdrücken.
  • Symptome einer vegetativen Übererregung (Hyperarousal): Obwohl das Erlebte längst vorbei ist, hält das Gefühl der Bedrohung weiter an. Der Betroffene befindet sich in einem Zustand vegetativer Übererregung, einer ständigen erhöhten Wachsamkeit, welche auch als Hyperarousal bezeichnet wird. Es treten Symptome wie Schlafstörungen, Reizbarkeit, Schreckhaftigkeit, Zittern, Ängste und Konzentrationsstörungen auf.
  • Emotionale Taubheit und Vermeidung: Der Betroffene versucht, inneren und äußeren Reizen zu entfliehen, um sich zu schützen. Er zieht sich aus dem sozialen Leben zurück und zeigt kein Interesse mehr an Dingen, die ihm vorher Freude bereitet haben. Er wirkt gleichgültig, lustlos und teilnahmslos. Menschen mit einer posttraumatischen Belastungsstörung vermeiden Situationen, die in irgendeiner Form an das Trauma erinnern könnten (sog. Stimuli).
  • e posttraumatische Belastungsstörung führt häufig dazu, dass die Betroffenen müde und erschöpft sind. Manchmal entwickeln sie Depressionen oder auch Suizidgedanken. Weitere mögliche Symptome sind Entfremdungsgefühle (Depersonalisation) und körperliche Beschwerden ohne eine organische Ursache (Somatisierung).
     

    In manchen Fällen kann das Trauma so schwer sein, dass es zu Persönlichkeitsveränderungen oder Persönlichkeitsstörungen kommt. Man spricht dann von einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung.

    Bei Kindern kann sich eine posttraumatische Belastungsstörung auch durch Symptome wie Verhaltensauffälligkeiten bemerkbar machen. So kann es beispielsweise zu aggressivem Verhalten kommen oder auch zu Mustern, bei denen das Kind die traumatische Situation immer wieder nachspielt.

    ür Personen, die eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entwickelt haben, ist eine frühzeitige Diagnose sehr wichtig. Je früher eine Therapie erfolgt, desto eher kann verhindert werden, dass die Beschwerden chronisch werden.

    Der Verdacht auf eine posttraumatische Belastungsstörung ergibt sich in der Regel aus den Symptomen. Zudem ermittelt der Arzt, ob der Betroffene ein traumatisches Ereignis erlebt hat beziehungsweise dies beobachtet hat. Dabei muss der Mediziner sehr behutsam vorgehen, damit die Symptome nicht stärker werden.

    Testpsychologische Instrumente können hilfreich sein, damit der Arzt die Verdachtsdiagnose sichern und von anderen Erkrankungen abgrenzen kann. Eine körperliche Grunderkrankung kann der Arzt zudem durch eine umfassende Untersuchung ausschließen.

    Im Gegensatz zu einer akuten Belastungsreaktion, deren Symptome sich unmittelbar beziehungsweise in engem zeitlichen Zusammenhang nach einem belastenden Ereignis bemerkbar machen und die in der Regel innerhalb von wenigen Tagen abklingen, tritt die PTBS mit einer Verzögerung von einigen Wochen bis hin zu mehreren Jahren auf beziehungsweise sie liegt dann vor, wenn eine akute Belastungsreaktion länger als vier Wochen anhält.

    Wenn eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) vorliegt, sollte die Therapie möglichst rasch nach der Diagnose erfolgen. Je nach Schwere der Störung kommt eine ambulante oder stationäre Therapie infrage.

    Zunächst ist es wichtig, dass der Betroffene vor einer möglichen weiteren Einwirkung durch das Trauma geschützt wird.

    Danach sollte sich sobald wie möglich ein erfahrener Therapeut um den Betroffenen kümmern. Eine Traumabearbeitung sollte nur mithilfe eines qualifizierten Psychotherapeuten erfolgen.

    Unterstützend können Medikamente hilfreich sein, so zum Beispiel Antidepressiva aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer. Auch Beruhigungsmittel wie Benzodiazepine können kurzfristig im Rahmen der Therapie zum Einsatz kommen. Man darf sie jedoch im Gegensatz zu Antidepressiva nicht über einen längeren Zeitraum einnehmen, da sonst die Gefahr einer Abhängigkeit besteht.

    Personen, die psychisch wieder entsprechend stabil sind, können das Trauma beziehungsweise die posttraumatische Belastungsstörung gemeinsam mit einem Therapeuten bearbeiten. Dabei konfrontiert der Therapeut den Betroffenen Schritt für Schritt mit dem Erlebten. Ziel der Therapie ist es, dass der Patient das Geschehene verarbeiten kann.

    Dabei ist es sehr wichtig, dass das Erlebte sehr behutsam und unter erfahrener Anleitung angesprochen wird, da sich die posttraumatische Belastungsstörung ansonsten verschlimmern kann. Je nach Therapieform kommen unterschiedliche Techniken zum Einsatz. So können beispielsweise Gespräche in der Therapie hilfreich sein, um den erlebten Kontrollverlust zu bewältigen, aber auch Rollenspiele oder Entspannungsübungen.

    Eine Traumabearbeitung sollte nur dann erfolgen, wenn der Betroffene entsprechend stabil ist und keine weitere Einwirkung durch das Trauma erfolgt.

    Bei einer posttraumatischen Belastungsstörung kommen für die Traumabearbeitung verschiedene Therapieverfahren infrage, so zum Beispiel:

    • Verhaltenstherapie (kognitiv-behaviorale Therapie): Bei diesem Ansatz soll der Betroffene gemeinsam mit dem Therapeuten positive Verhaltensweisen und Einstellungen entwerfen und einüben.
    • EMDR: Beim EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) bearbeiten der Betroffene belastende Situationen mithilfe gezielter Stimulation, unter anderem durch gezielte Augenbewegungen.
    • Psychodynamisch-imaginative Therapie: Therapeut und Patient erarbeiten mithilfe von sog. imaginativen Techniken individuelle Strategien, um das Trauma zu bewältigen.

    In speziellen Selbsthilfegruppen können sich PTBS-Betroffene darüber hinaus austauschen und gegenseitig unterstützen, um die posttraumatische Belastungsstörung ergänzend zur Therapie gemeinsam zu bewältigen.

    Eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) kann sehr lange anhalten. Sie nimmt unbehandelt häufig einen chronischen Verlauf, bei dem die Beschwerden Jahrzehnte oder auch lebenslang bestehen bleiben.

    Komplikationen

    Im Verlauf einer PTBS kommt es häufig zu Alkohol- und Medikamentenmissbrauch, da die Betroffenen versuchen, das Erlebte zu verdrängen. Viele Menschen mit einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden an Depressionen, die auch mit Selbstmordgedanken bis hin zum Suizid verbunden sein können. Auch Angststörungen können auftreten.

    Viele traumatisierte Menschen suchen keine professionelle Hilfe auf – aus Angst, mit dem Erlebten erneut konfrontiert zu werden. Therapeutische Unterstützung ist jedoch besonders wichtig, um das Trauma Schritt für Schritt verarbeiten zu können.

    Vorbeugen

    Eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) ist Folge eines einschneidenden Erlebnisses – daher können Sie ihr nicht vorbeugen.

     

    Zwar gibt es einige Risikofaktoren wie zum Beispiel eine geringe seelische Belastbarkeit, jedoch können auch psychisch sehr stabile Menschen erkranken, wenn sie eine traumatische Erfahrung gemacht haben.

    Viele Menschen scheuen sich, nach einem Trauma professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Je früher dies jedoch geschieht, desto höher ist auch die Chance, dass man das Erlebte bewältigen kann.

    Quelle: Onmeda